Dokumentarfilm im Berlinale-Panorama : Berlin bei Nacht

26 Episoden aus dem Großstadtleben: Uli M Schueppels Dokumentarfilm "Der Atem" läuft im Panorama. Übrigens, der tolle Berlinale-Trailer stammt auch von ihm.

Schwarz-Weiß, grobkörnig: Uli M Schueppels Berlin-Doku "Der Atem".
Schwarz-Weiß, grobkörnig: Uli M Schueppels Berlin-Doku "Der Atem".Foto: Schueppel Films

Der auf dieser, nein, allen Berlinalen seit 2002 am häufigsten vertretene Filmkünstler? Mit unaufholbarem Abstand der Berliner Uli M Schueppel, Schöpfer des Festival-Trailers, der alle Vorführungen des offiziellen Programms eröffnet. Ein computeranimierter 50-Sekunden-Opener, seit der digitalen Neuauflage vor vier Jahren von bestechender Schärfe – und damit schon technisch das genaue Gegenteil von Schueppels abendfüllendem Dokumentarfilm „Der Atem“: analog gedrehte Schwarz-Weiß-Bilder, grobkörnig, aktuellen Sehgewohnheiten nicht gerade schmeichelnd. Es ist der dritte Teil von Schueppels 1997 begonnener „Gesänge“-Trilogie, im Jahr danach entstanden bereits die ersten Bilder zu „Der Atem“, dieser Collage aus – ausnahmslos bei Nacht gedrehten – 26 Episoden aus dem Berliner Großstadtleben.

Es sind oft nur zögernd von den Betroffenen erzählte existentiellen Erfahrungen, Momente, in denen ihnen der Atem stockte, die ihnen den Atem nahmen – der Titel wird so zum Leit-, manchmal auch Leidmotiv dieses oft beklemmenden, doch immer berührenden Porträts der Stadt, des sie durchpulsenden Lebensatems. Hier Geburt, dort plötzlicher Kindstod, Abgleiten eines Beziehungsstreits in die Gewalt, die Gefühle einer Prostituierten beim Warten auf den nächsten Kunden, die traumatischen Erinnerungen eines Unfallfahrers –oder des Verkäufers in einer Weihnachtsmarktbude auf dem Breitscheidplatz am Abend des 19. Dezember 2016. Dies alles verwoben zu einem stillen Fluss der ineinander übergehenden Bilder, zusammengehalten auch durch die sphärisch anmutende Musik von Christina Vantzou. Ein wenig erinnert das an Walter Ruttmanns „Berlin – Sinfonie der Großstadt“ von 1927. Nur hatte in dem alten Stummfilm noch niemand was zu sagen.

13.2., 21.30 Uhr (Zoo Palast 1), 14.2., 12.30 Uhr (Cinemaxx 7), 15.2., 22 Uhr (Colosseum 1), 16.2., 20 Uhr (International)

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