Kultur : Drogen, die die Welt bedeuten

Christine Wahl

Das Personal aus Roland Schimmelpfennigs Stück „Ambrosia“ in den DT-Kammerspielen (So., 20 Uhr) dürfte dem Großteil des Theaterpublikums nicht allzu fremd sein. Schließlich trägt das lustige Besäufnis, dem man dort beiwohnt, das Motto: Entgleisung der Besserverdienenden. Bierselig legt man zu gegebener Zeit selbstbefreit die Zahnprothese auf den Tisch oder versammelt sich zur Stiftzahnbesichtigung um den Rachenraum des Arbeitskollegen. Der Bildungsbürger beim Seelen-Strip unter Drogen: kein Einzelfall. In dem von Constanza Macras und Thomas Ostermeier leichthändig nach Shakespeare in die Partylandschaft geworfenen „Sommernachtstraum“ in der Schaubühne (heute und morgen, 20 Uhr) ist ein Aphrodisiakum schuld daran, dass erwachsene Männer sich in Biene-Maja-Kostüme werfen und ihre Penisse durch Totenkopfmasken stecken.

Streng genommen fängt die dramatische Bearbeitung des Suchtcharakters bereits im Kindertheater an. In Milan Peschels Märchen-Inszenierung „Der Fischer und seine Frau“ im Theater an der Parkaue (Fr. 9.30 Uhr, Sa. 16 Uhr, So. 11 Uhr), in dem sich auch Volksbühnen-sozialisierte Erwachsene schlapp lachen können, betrifft dies insbesondere die Konsumsucht. Kaum hat der Zauber-Butt Frau Ilsebill aus ihrer düsteren Hütte in ein schönes Ikea-Interieur mit Plasmabildschirm verpflanzt, will die ein Schloss – und am Ende sogar Gott werden. Ob Peschels Inszenierung allerdings zur Suchtprävention taugt, steht in Frage: Hier sollen schon Zeitgenossen, die sich längst clean glaubten, wieder voll drauf gekommen sein, auf die Droge Theater.

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