Drollige Gesellschaft : Die Mumins und ihre "Abenteuer im Mumintal"

"Abenteuer im Mumintal": Alex Haridi und Cecilia Davidsson haben drei Mumins-Erzählungen von Tove Jansson behutsam umgeschrieben.

Mumins-Feierlichkeiten irgendwo in Finnland.
Mumins-Feierlichkeiten irgendwo in Finnland.Foto: imago images / Xinhua Naantali

Es sieht einmal mehr großartig und verlockend und anziehend bunt aus, das Cover dieses Mumins-Buches „Abenteuer im Mumintal“. (Übersetzt von Birgitta Kirchner. Urachhaus, Stuttgart 2020,
92 Seiten, 20 €.)

Wie sie da so sitzen, der Mumin, das Snorkfräulein, die kleine Mü, der Schnupferich und das Schnüferl, im Hintergrund ein paar Berge, dazu ein Boot, das „Das Abenteuer“ heißt, wie man im Buch erfahren wird.

Auch der schwarzweiße, feiner gezeichnete Kranz über dem Titel ist eine Klasse für sich. Dort sind zum Beispiel auch die Hatifnatten zu sehen, diese seltsamen Wesen, die weder sprechen noch hören noch gut sehen können, dafür ein großes sensorisches Empfinden haben.

Allerdings ist dieses Mumins-Buch eins, das auf drei Erzählungen der 2001 verstorbenen finnischen Malerin und Schriftstellerin Tove Jansson lediglich „basiert“, als Autorinnen sind Alex Haridi und Cecilia Davidsson verantwortlich, als Illustratorin Cecilia Heikkilä.

Haridi und Davidsson sind behutsam mit den Geschichten umgegangen

Die Erzählungen dieses Bandes unterscheiden sich weniger im Stoff denn vielmehr im Wortlaut von den Originalen. „Die Reise ins Mumintal“ heißt die erste, sie entstammt dem ersten Mumins-Band von Jansson, den sie 1945 schrieb. Er stellt so etwas wie einen Prolog der nachfolgenden sieben Bände dar.

Damals ahnte Jansson nicht, dass sie sich so lange mit den Mumins beschäftigen würde, weshalb hier alles noch recht unbestimmt ist; immerhin findet der Mumin seinen verschwundenen Vater.

Die zwei weiteren Geschichten stammen aus dem dritten Band „Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft“. Die eine erzählt, wie Mumin eines Tages am Strand einen hohen schwarzen Hut findet, den Zauberhut. Im Original entdeckt er diesen mit dem Schnüferl und dem Schnupferich auf dem Gipfel eines Berges.

Die andere handelt davon, wie die Mumins mit eben jenem Boot „Das Abenteuer“ auf der Insel der Hatifnatten landen. Diese veranstalten hier einmal im Jahr ihr großes Treffen: „Aus allen Himmelsrichtungen kamen sie an, stumm und ernst mit ihren kleinen weißen, leeren Gesichtern“, wie es im Original heißt.

So seltsam diese Umschreibung von Jansson anmutet: Man darf Haridi und Davidsson attestieren, dass sie behutsam mit den Originalgeschichten umgegangen sind. Den Ton von Jansson haben sie gut getroffen, auch atmosphärisch stimmt es, zumindest in der Übersetzung von Birgitta Kicherer, die ja hierzulande sowieso die angestammte Jansson-Übersetzerin ist.

Die Hatifnatten oder die Morra sind schon auch gruselig

Die Mumins, sie sind in der Tat eine supersympatische drollige Gesellschaft. Man schließt sie sofort ins Herz, möchte mit ihnen verreisen, auf Wolken schweben, die vorher Eierschalen waren, oder Feste feiern, sei es dem unglücklichen Zauberer zu Ehren, sei es einfach so, weil sie sich an ihrem Dasein erfreuen, trotz mancher Unbill.

Denn bei aller Drolligkeit: In den Mumins-Geschichten schwebt immer etwas Unheilschwangeres mit. Es regieren die Naturgewalten in Form von Stürmen oder Überschwemmungen, es gibt eine bedrohliche Schlange oder andere Gruseltiere; auch die Hatifnatten sind leicht schaurige, undurchschaubare Wesen. Oder man denke an die Morra: Wo diese geht oder steht, friert es!

„Alles ist sehr ungewiss, und das finde ich beruhigend“, sagt einmal eine der Mumin-Figuren in dem Band „Winter in Mumintal“. Diese schöne Ambivalenz zeichnet die Jansson-Geschichten aus. Haridi und Davidsson haben ihnen diese Ambivalenz belassen, die natürlich auch für das richtige Leben gilt, auf andere Art. Die Mumins sind inzwischen zu einer Industrie geworden, corporated „Moomin Characters“.

Als ein globales, mitunter popkulturelles Phänomen wollen Janssons Figuren immer wieder neuen Generationen vorgestellt werden.

So wie mit diesem Buch, in dem es zu Beginn kleine Porträts von ein paar Bewohnern des Mumintals gibt. Dazu wendet sich Sophia Jansson, die Nichte von Tove, Tochter von deren Bruder Lars und inzwischen kreative Leiterin bei Moomin Characters, an die kleinen und großen Leserinnen und Leser, um ihnen einerseits die wunderbare Welt der Mumins nahezubringen.

Andererseits gibt Sophia Jansson damit zu verstehen, dass sie um das Erbe Sorge trägt. Ja, dass sie sehr darauf achtet, wie zum Beispiel Alex Haridi und Cecilia Davidsson die Geschichten ihrer Tante behandeln. „Abenteuer im Mumintal“ funktioniert als Einstieg gut.

Richtig belohnt jedoch wird erst, wer sich danach mit den Originalen und Band für Band in diese fantastische Welt begibt. Die Mumins sind eine wunderbare Lebensbegleitung.

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