• Eine nicht ganz so heilige Inschrift: Goldener Reichsapfel des Berliner Stadtschlosses würdigt Versandhaus

Eine nicht ganz so heilige Inschrift : Goldener Reichsapfel des Berliner Stadtschlosses würdigt Versandhaus

Neben einem Bibelspruch ziert eine Widmung an einen Sponsoren die Kuppel des Berliner Stadtschlosses. Sie gilt Otto, dem Gründer des gleichnamigen Versandhauses.

Die Kuppel des Berliner Stadtschloss, hier zu sehen am Mai 2020 auf der Baustelle.
Die Kuppel des Berliner Stadtschloss, hier zu sehen am Mai 2020 auf der Baustelle.Foto: dpa/Fabian Sommer

Kuppel und Kreuz auf dem Berliner Stadtschloss mit dem darin geplanten Humboldt Forum ziert neben einem umstrittenen Bibelspruch auch die Widmung einer Spenderin. „Im Gedenken an meinen Mann Werner A. Otto 1909 - 2011. Inga Maren Otto“ ist nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ auf dem vergoldeten Reichsapfel zu lesen, der das Kreuz trägt. Otto war Gründer des gleichnamigen Versandhauses.

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Ein Sprecher der Stiftung Humboldt Forum bestätigte der dpa am Mittwochabend, dass eine Plakette mit einer entsprechenden Widmung auf dem Reichsapfel angebracht ist. Dem Bericht zufolge hieß es dazu, „Spenderwürdigungen in Form von Tafeln und Plaketten“ seien beim Schloss üblich.

Die knapp 15 Millionen Euro für Kuppel und Kreuz kamen von teils anonymen Spendern, offiziell nennt das Humboldt Forum keine Namen. Schon das christliche Symbol des am Freitag aufgesetzten Kreuzes, im Wettbewerb für die Rekonstruktion nicht vorgesehen, ist umstritten.

Der Bau ging von Spenden bis zu 100 Millionen Euro aus

Kritiker verweisen auf die Rolle, die das Humboldt Forum etwa bei völker- und religionsübergreifende Themen wie die Restitutionsdebatte um Objekte mit kolonialem Hintergrund spielen soll. Besonders umstritten ist eine Kombination aus zwei Bibelzitaten, die als Schriftband die Kuppelbasis umfasst. Darin wird die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum gefordert.

Die Finanzierung für den 644 Millionen Euro teuren Bau ging immer auch von Spenden bis zu 100 Millionen Euro aus. Das 40 000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen künftig die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Die zunächst für September geplante erste Teileröffnung wurde coronabedingt verschoben. Nach drei Eröffnungsetappen soll das Humboldt Forum bis Herbst 2021 komplett zugänglich sein. (dpa)

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