Kultur : Eintagsflügel

Gastspiel der Villa Massimo im Berliner Gropius-Bau

Jens Hinrichsen

Speak, sing! – so die Aufforderung ans Publikum, sich in Oliver Schnellers Soundinstallation einzumischen. Er ist einer von neun Villa-Massimo-Stipendiaten, die mit Kunst, Architektur, Literatur und Musik den Westflügel im Martin-Gropius-Bau bespielen, nur einen Abend lang! Nur gesungen wird nicht, aber zur Begrüßung wird viel und herzlich gesprochen. Villa-Massimo-Direktor Joachim Blüher habe diese großartige Idee gehabt, „die Arbeiten nach Rom, äh, Berlin kommen zu lassen“, verhaspelt sich der Kulturstaatsminister. Verständlich, dass Bernd Neumann ins Schleudern kommt, denn das Gastspiel der „Accademia Tedesca Roma“ in Berlin ist eine Uraufführung. Dazu schlürfen die Premierengäste Prosecco und überhören die grausige Badezimmerakustik im Atrium des Gropiusbaus. So viel ist immerhin zu vernehmen: Blüher dankt für die jährlich 1,34 Millionen Euro des Bundes, Feridun Zaimoglu zeigt sich als Stipendiat 2005 dankbar und verklärt sein Rom-Jahr als „wunderbaren Traum“. Bundespräsident Horst Köhler lässt es sich nicht nehmen, in Erinnerungen an sommerliche Gespräche in der Villa Massimo zu schwelgen. Denen gehört der Rest des Abends. Maxim Seloujanov lässt sein Klavierstück uraufführen, Terézia Mora liest aus ihrem Roman und Astrid Nippold regelt kollegial das Donnergrollen ihrer Videoinstallation leiser.

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