Elvira Bach : Fisch und Fön

Die Malerin Elvira Bach hat das Berlin der achtziger Jahre mitgeprägt. Nun zeigt sie frühe Bilder.

Prickel Pitt“ von Elvira Bach
Prickel Pitt“ von Elvira BachFoto: 68Projects/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Das Leben ist eine Party, bis heute. „Wenn es Nacht wird in Berlin“ (80000 Euro) hat Elvira Bach ein großes Gemälde von 1983 genannt, dass jederzeit zum Signet der Stadt werden könnte. Es geht um Tanzen, Lieben, Drogen – das ganze hedonistische Programm. Das Leben kann aber auch ziemlich anstrengend sein. Perfektion ist keine Erfindung der Gegenwart, deshalb bringt sich die Nackte auf einem anderen Bild mit Fön, einer prähistorisch riesigen Elektrozahnbürste und einem Expander in Form. Es sieht aus wie ein Versprechen, diese Vorbereitung im blau gekachelten Bad, durch das die Malerin einen kleinen Hai schwimmen lässt. Und irgendwie passt das alles zu der Ausstellung der Galerie 68projects (Fasanenstraße 68, bis 10. März), die sich auf das Frühwerk der allseits bekannten Berliner Künstlerin konzentriert: Hier kann man sehen, wie Bach zu Bach geworden ist.

Die Motive aus den Siebzigern wirken rauer

Die Motive aus den späten siebziger Jahren wirken schneller und rauer als jene auf den sattsam bekannten Großformaten. Starke Frauen gibt es schon in der Frühzeit des Werks, aber statt Pinseln halten sie auf den Gouachen (je 4000 Euro) schlanke Penisse in ihren Händen, die nur unzureichend als Spargel getarnt sind. Und was Bachs weibliche Figuren damit anstellen, ist weit entfernt von jedem Kochtopfrezept. 1982 wird die Künstlerin zur Documenta nach Kassel eingeladen – eine Zäsur, nach der ihre Karriere steil an Tempo zulegte. Im selben Jahr entstehen „Sophisticated Lady III“ und die kleine Ansicht einer ins Bild gepressten, sich schminkenden Frau (15300 Euro). Beide werden sich im Kosmos jener schlaflosen Nächte verlieren, für die Berlin schon damals stand. Sie sind Bachs ständige Quelle, Ursprung ihrer Mixtur aus Gläsern, roten Mündern und Schuhen, nackter Haut und glitzerndem Wunderland. Eine Inspiration, der sich jene Sujets verdanken, mit denen die Malerin tagsüber die Bilder füllt.

Vieles in der Schau, „Expanther“ ebenso wie „Pickel-Pitt“, ist unverkäuflich, alles stammt frisch aus dem Atelier, wo es die Künstlerin seit Jahrzehnten aufbewahrt. Eben weil ihr diese frühen Arbeiten wichtig sind.

Galerie 68projects, Fasanenstr. 68; bis 10. März, Di-Sa 11-18 Uhr. Am 10. März findet ab 14 Uhr die Finissage mit Elvira Bach statt

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