Eric Keller in der Galerie Poll : Urbane Romantik

Der Maler Eric Keller stellt in der Galerie Poll aus. Seine Zeitgenossen erinnern trotz Hoodie und Smartphone an die Figuren Caspar David Friedrichs.

Viel-Raum-Landschaft. Kellers Gemälde „Stille Drift“ von 2018.
Viel-Raum-Landschaft. Kellers Gemälde „Stille Drift“ von 2018.Foto: Galerie Poll

Von Romantik scheinen die Stadtlandschaften Eric Kellers erst einmal weit entfernt. Es sei denn, man findet die Stille zwischen den Protagonisten auf seinen Bildern irgendwie stimmungsvoll. Meist wenden sie sich voneinander ab, blicken isoliert auf plane Gewässer, die sich als Löschteiche oder künstliche Kanäle entpuppen. Vielleicht sind sie beeindruckt. Wahrscheinlicher aber ist ihnen die Sprache als Mittel der Kommunikation abhandengekommen, und Keller hält bloß jenen seltenen Moment fest, in dem ihre Finger nicht am Smartphone kleben.

Es ist Kellers eigene Generation. Der 1985 in Grimma geborene Maler studiert noch an der Leipziger Kunstakademie. Kellers Zeitgenossen tragen Hoodies, weite Trainingshosen und Retro-Sneakers, wie sie schon der Maler Tim Eitel vor einer gefühlten Ewigkeit seinen einsamen urbanen Wanderern an die Füße gab. Auch er war Student in Leipzig, und es wäre ein Leichtes, das Interesse an Keller – dessen Bilder seit 2011 in diversen Galerien ausgestellt wurden und derzeit in Berlin bei Poll zu sehen sind – als Echo auf das wahnwitzige Interesse an jener Malerei zu lesen, für die Leipzigs Hochschule zeitweilig stand. Doch „Stille Drift“, so der Titel seiner aktuellen Schau mit Werken aus den letzten beiden Jahren, zeigt neben den Gemeinsamkeiten auch Kellers individuellen Zugang.

Kellers Motive transportieren Stimmung

Seine Sujets (Preise: 2200–9600 Euro) entstehen auf Holzplatten, er braucht den Widerstand anstelle der Nachgiebigkeit der Leinwand. Die blassen, wie ausgewaschenen Farben, die der Maler lasierend aufträgt, lassen die unspektakulären Innen- wie Außendarstellungen wie hinter einer Nebelbank verschwinden. Das passt zu den halb hohen Bauten wie den halb öffentlichen Räumen mit Bühne und einsamen Plastikstühlen. Die Aula einer Schule fällt einem dazu ein oder das von Keller explizit gemalte „Vereinsheim“. Nahezu jeder erinnert sich an solche Orte, mit denen Atmosphäre und Gefühle verbunden sind. Keller malt aus dem Gedächtnis, seine Motive transportieren subtil Stimmungen, das urbane Setting ist ein Stück weit Kulisse. So schleicht sich am Ende die Romantik ein: Als Konzept einer Epoche, die ihrerseits Gefühlslagen in schroffe, erhabene Landschaften übersetzte. Erinnern Kellers Figuren nicht doch an den „Mönch am Meer“, der sein Dasein in der Welt reflektiert?

Galerie Poll, Gipsstr. 3; bis 28. 7., Di–Sa 12–18 Uhr

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