European Balcony Project : Das Versprechen Europa

Vom Flashmob bis zur Chorperformance: Am Samstag soll symbolisch die Europäische Republik ausgerufen werden, auch an sechs Orten in Berlin.

Die Weidendammer Brücke mit dem Berliner Ensemble im Hintergrund ist einer der Ausrufungsorte beim European Balcony Project. Hier wird Corinna Kirchhoff das u.a. von Robert Menasse verfasste Manifest verlesen.
Die Weidendammer Brücke mit dem Berliner Ensemble im Hintergrund ist einer der Ausrufungsorte beim European Balcony Project. Hier...Foto: Doris spiekermann-klaas

„Es ist Zeit, das Versprechen Europas zu verwirklichen und sich an die Gründungsidee des europäischen Einigungsprojekts zu erinnern.“ Mit diesen Worten will das für kommenden Samstag, den 10. November, geplante European Balcony Project symbolisch die Europäische Republik ausrufen, und zwar zeitgleich um 16 Uhr überall in Deutschland und Europa. An der Aktion nehmen inzwischen über 150 Kulturinstitutionen und Bürgergruppen teil, unter anderem das Nationaltheater Gent, das Burgtheater Wien und das Hamburger Thalia Theater. Der simultan verlesene Text erklärt „alle, die sich in diesem Augenblick in Europa befinden, zu Bürgerinnen und Bürgern der europäischen Republik“ und enthält die Aufforderung, das universale Erbe der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte anzunehmen und diese endlich zu verwirklichen.

In Berlin findet die Aktion an sechs Orten statt: Vom Balkon des Roten Rathauses soll die Ausrufung chorisch über die Bühne gehen, zum Abschluss einer zweitägigen Europa- und Städtekonferenz. Auf der Weidendammer Brücke liest die Schauspielerin Corinna Kirchhoff vom Berliner Ensemble. Am Kunstquartier Bethanien ist neben einer mehrsprachigen und vielstimmigen Ausrufung ein Beitrag von Kultursenator Klaus Lederer geplant, mit anschließendem Publikumsgespräch. Das Junge Theater Kreuzberg organisiert einen Flashmob auf der Friedrichsbrücke an der Museumsinsel. Und im Schöneberger Museum der unerhörten Dinge gibt’s Kaffee und Kuchen zur Europäischen Republik.


Das Manifest will bewusst an die Republikausrufungen von 1918 erinnern

„Wir sind uns bewusst“, heißt es in dem vom österreichischen Schriftsteller Robert Menasse, der deutschen Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot und dem Schweizer Theatermacher Milo Rau verfassten Manifest, „dass der Reichtum Europas auf Jahrhunderten der Ausbeutung anderer Kontinente und der Unterdrückung anderer Kulturen beruht. Wir teilen deshalb unseren Boden mit jenen, die wir von ihrem vertrieben haben. Europäer ist, wer es sein will.“ Nachdem das Europa der Nationalstaaten gescheitert, die Idee des europäischen Einigungsprojekts verraten worden und der Binnenmarkt zur leichten Beute einer neoliberalen Agenda geworden sei, müsse wieder die Macht in den europäischen Institutionen erobert werden.

Europa heiße "Menschen zu einen und nicht Staaten zu integrieren“. Deshalb trete an die Stelle der Souveränität der Staaten ab sofort „die Souveränität der Bürgerinnen und Bürger“. Das Manifest möchte „in Ton und Stil“ an die Republikausrufungen von 1918 erinnern. Weitere Informationen, auch zu den begleitenden Veranstaltungen, die bis 11. November geplant sind, finden sich unter www.europeanbalconyproject.eu.

Und die "Erklärung der Vielen" gibt's auch noch

Die Aktion ist nicht zu verwechseln mit der bundesweiten Kampagne „Erklärung der Vielen“, ebenfalls eine breite gesellschaftspolitische Initiative „gegen rechtspopulistische sowie völkisch-nationale Strömungen“, die am Freitag, den 9. November startet . Die über 120 beteiligten Kulturinstitutionen – Theater, Konzerthäuser, Museen, freie Gruppen – verpflichten sich, nachhaltig für Toleranz, Vielfalt und Respekt zu arbeiten. Am Freitag werden die bis in den Mai geplanten Veranstaltungen bei zeitgleichen Pressekonferenzen in Berlin, Hamburg und Düsseldorf bekanntgegeben. In Berlin sind unter anderem Shermin Langhoff vom Maxim Gorki Theater, Kathrin Röggla von der Akademie der Künste, Dietmar Schwarz vom Deutschen Theater und Berndt Schmidt vom Friederichstadtpalast beteiligt. Tsp

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