• Fassadenstreit in Berlin: Grütters bezeichnet Übermalung von Gedicht als „Kulturbarbarei“

Fassadenstreit in Berlin : Grütters bezeichnet Übermalung von Gedicht als „Kulturbarbarei“

„Gefährliches Spiel“: Die Kulturstaatsministerin Grütters kritisiert die geplante Übermalung des Gomringer-Gedichts an der Fassade der Berliner Alice Salomon Hochschule.

Das umstrittene Gedicht an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf.
Das umstrittene Gedicht an der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf.Foto: David von Becker/ASH Berlin/dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat die geplante Übermalung eines Gedichts von Eugen Gomringer an einer Berliner Hochschulfassade als einen „erschreckenden Akt der Kulturbarbarei“ kritisiert. „Kunst und Kultur brauchen Freiheit, sie brauchen den Diskurs, das ist eine der wichtigsten Lehren aus der Geschichte“, erklärte Grütters am Mittwoch. „Wer dieses Grundrecht durch vermeintliche political correctness unterhöhlt, betreibt ein gefährliches Spiel.“

Der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule in Berlin hatte am Dienstag entschieden, das angeblich sexistische Gedicht zu übermalen. Dabei geht es um den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Hochschulangehörige hatten kritisiert, damit würden Frauen zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.

Gedicht läuft auf Axel Springer Verlagsgebäude

Der Axel Springer Verlag stellte das Gedicht unterdessen in spanischer Sprache auf das Leuchtband an seiner Fassade. „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt twitterte: „auf unserem verlagsgebäude läuft das gedicht von #gomringer jetzt und leuchtet in die nacht. gegen den irrsinn der gedichtübermaler und kunstfreiheitsgegner.“ Der CDU-Politiker Jens Spahn teilte das Gedicht auf Twitter.

Die aktuelle Poetik-Preisträgerin der Hochschule, Barbara Köhler, verteidigte die Entscheidung des Akademischen Senats. Wenn die Studierenden „patriarchale Denkmuster“ in dem Gedicht entdeckten und sie sich deshalb in ihrem schulischen Umfeld nicht wohl fühlten, sei dies zu akzeptieren. Die Lesart der Studierenden sei eine von vielen, aber dennoch legitim, sagte die Lyrikerin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Ich finde es abenteuerlich, die Entscheidung als Zensur zu bezeichnen. Niemand will den Text verbieten und niemand will ein Buch einstampfen.“ (dpa/Tsp)

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