Fast schon Elbphilharmonie : 300 Millionen mehr fürs Deutsche Museum München

Die Sanierung des Hauses kostet 745 Millionen Euro. Was der Bund sonst noch für Kultur ausgibt: Knapp zwei Milliarden Euro werden es 2020 sein.

Riesenkomplex: Deutsche Museum in München in einer Luftaufnahme.
Riesenkomplex: Deutsche Museum in München in einer Luftaufnahme.Foto: dpa/Angelika Warmuth

Noch ist die Aufregung um die Kostensteigerung beim Museum der Moderne am Berliner Kulturforum nicht verklungen, da rückt die nächste teure deutsche Kultur-Baustelle in den Blick. Die Haushälter des Bundes haben am Donnerstag nämlich nicht nur zusätzliche 164 Millionen Euro für das Moderne-Museum bewilligt, das am Ende 450 Millionen Euro kosten soll, sondern auch bei der Sanierung des Deutschen Museums in München schießt der Bund kräftig zu.

Die bislang für die geplante Generalsanierung veranschlagten 445 Millionen Euro genügen bei weitem nicht, es werden 300 Millionen Euro mehr. Der Bund und der Freistaat Bayern bewilligten nun diese Mehrkoste. Sie zahlen je die Hälfte, wie Bayern Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) mitteilte.

Erst im Oktober hatte der Bund der Steuerzahler die Sanierung kritisiert, er ging damals noch von 595 Millionen Euro Gesamtkosten aus, jetzt sind es sogar 150 Millionen mehr, insgesamt 745 Millionen. Die wegen ihre Kostenexplosion vor ihrer Fertigstellung vielfach kritisierte Hamburger Elbphilharmonie hatte den Steuerzahler 800 Millionen Euro gekostet, als Neubau auf dem Sockel alter Speicherbauten.

Nach der Bereinigungssitzung der Bundes-Haushaltsausschusses wächst der Etat von Kulturstaatsministerin Monika Grütters außerdem um weitere 84 Millionen Euro für das Jahr 2020, letztes Jahr waren es für 2019 140 Millionen Euro mehr gewesen. Der Gesamt-Kulturetat des Bundes beläuft sich damit nun auf annähernd zwei Milliarden Euro.

Das ist mehr als das Doppelte des Kulturhaushalts bei Grütters‘ Amtsantritt 2013. Die CDU-Politikerin wertete dies als „deutliches Zeichen dafür, dass Kunst und Kultur für uns in Deutschland eine Haltung und ein Modus des Zusammenlebens sind“.

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Der niedrigschwellige Zugang zu Kultureinrichtungen wird unter anderem mit drei Millionen Euro für die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Deutsche Historische Museum unterstützt, die Modellversuche für einen freien Eintritt starten. Für das Humboldt Forum war der freie Eintritt zur Dauerausstellung der außereuropäischen Sammlungen bereits zuvor beschlossen worden.

Bis zu 37 Millionen Euro werden für Denkmalschutz-Maßnahmen bereitgestellt, 7,2 Millionen Euro sind für Digitalisierung im Bereich Kultur und Medien vorgesehen. Die Initiative Musik erhält zusätzlich 6,5 Millionen Euro; die Berliner Festspiele, die Berlinale, der Gropius Bau und das Haus der Kulturen der Welt erhalten 6 Millionen Euro hinzu. 1,8 Millionen Euro stellt der Bund im kommenden Jahr zusätzlich für den Erhalt schriftlichen Kulturgutes bereit, insgesamt stehen dafür dann 3,8 Millionen Euro zur Verfügung.

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Weitere Gelde wurden für Investitionen unter anderem beim Museum für Sepulkralkultur in Kassel und bei der Frankfurter Paulskirche bewilligt; Aufwüchse erhalten auch Gedenkstätten in Neuengamme und Hadamar sowie die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur kann mit 1 Million Euro zusätzlich zu den bisher bewilligten Geldern rechnen.

Zahlreiche weitere Aufwüchse waren bereits im Regierungsentwurf des Bundesetats 2020 verzeichnet. Dazu zählten unter anderem 16 Millionen Euro für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland, 15 Millionen Euro zusätzlich für die Deutsche Welle und 15 Millionen Euro extra für das „Zukunftsprogramm Kino“ zur Stärkung und Erhaltung des Kulturorts Kino im Streamingzeitalter. Auch die Bundesländer leisten hier einen Beitrag. (tsp/dpa)

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