Die Platte ist ungemein funky

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"Fierce For The Night" von Virginia : Funky Facetten
Techno auflegen ist nicht alles. Virginia, 39, kam in München zur Welt, hat in Frankfurt gelebt und ist seit elf Jahren in Berlin.
Techno auflegen ist nicht alles. Virginia, 39, kam in München zur Welt, hat in Frankfurt gelebt und ist seit elf Jahren in Berlin.Foto: Stephan Redel/Promo

Nun stellt sie mit ihrer neuen Platte „Fierce Of The Night“ scheinbar nochmals alles auf Anfang, wobei ihre Vergangenheit unüberhörbar präsent bleibt. Man kann auch sagen: Die dialektischen Vorwärtsbewegungen Virginias erreichen einen vorläufigen Höhepunkt. Dazu passt auch, dass Virginia ihre DJ-Kunst in letzter Zeit immer öfter mit Gesangseinlagen verbindet. House macht sie jetzt, echten, deepen House, der sich gut im Berghain macht, das ja noch nie der reine Techno-Laden war, als der er oft missverstanden wird. Und doch ist auf dem hauseigenen Label des Clubs etwas vergleichbar Poppiges vorher noch nicht erschienen. Die Stücke auf der Platte sind keine Tracks, sondern echte Songs und einige davon könnte man sich mit etwas Fantasie auch auf einer Playlist im Formatradio vorstellen, zwischen Prince und Tom Novy vielleicht. Oder auch nach „Saving All My Love For You“ von Whitney Houston, die Virginia verehrt wie kaum eine andere Sängerin.

„Fierce Of The Night“ ist ein ziemlich spektakuläres Dance-Album geworden. Eben weil es so viel in sich vereint, am Ende aber doch klar einem roten Faden folgt. Die Platte ist ungemein funky, dauernd passieren unvorhersehbare Dinge, was wohl auch an der Produktionsweise liegt. Sie sei im Teamwork entstanden, erzählt Virginia. Mitgeholfen haben Steffi, ebenfalls Resident-DJ im Berghain und die Produzenten Dexter und Martyn. Vier Freunde hatten gemeinsam viel Spaß, so beschreibt Virginia dieses produktive Miteinander.

Jeder hat seinen Teil eingebracht

Zusammen wurde gejammt und immer wieder hat man sich gegenseitig Files über das Internet zugeschickt, an denen dann mal der eine, dann der andere weitergeschraubt hat. „Steffi hat vielleicht etwas mehr Techno eingebracht, Dexter etwas Soul und Funk, Martyn so einen speziellen UK-Sound“, sagt Virginia. Fertig waren die Stück immer erst dann, wenn alle vier mit dem Ergebnis zufrieden waren. Und da viele Köche nicht immer den Brei verderben müssen, hört sich das Ergebnis dieser Arbeitsweise vielschichtig, aber nie überproduziert an. In einem Stück können sich Partikelchen von düsterem Electro mit kurzen Andeutungen von Dubstep verbinden, ohne dass man dabei auf dem Dancefloor aus dem Tritt kommen würde. Zusammengehalten werden die Nummern sowieso stets von der souligen Stimme Virginias, die über Liebe und große Gefühle singt, über Dinge, „wie ich sie selbst empfunden habe“, wie die Sängerin sagt.

Was „Fierce Of The Night“ auslösen wird, ist noch nicht abzusehen. Gemeinsam mit Steffi hatte Virginia bereits einen unerwarteten Club-Kracher mit „Yours“, der, so berichtet Virginia, selbst in den USA für einen kleinen Rummel sorgte. Doch nun gibt es ein ganzes Album mit Hit-Potenzial, das wie dafür gemacht ist, die großen Themen der Clubmusik – Ekstase, Freude und Euphorie – auch einem breiteren Publikum näherzubringen.

Nein, Geschichte wiederholt sich nicht: Steffi ist nicht Tom Novy und Virginias heutige Band funktioniert ganz anders als die von Virginia Nascimento. Aber man kann sich gut vorstellen, dass es zu dem einen oder anderen Song aus „Fierce For The Night“ demnächst einen schicken Videoclip mit einer gut aussehenden Sängerin im Vordergrund geben wird. Und dass Virginia nicht nur in Clubs auftritt, sondern in großen Konzerthallen.

„Fierce For The Night“ erscheint bei Ostgut Ton. Am 25.6. legt Virginia bei der Berghain Klubnacht in der Panorama Bar auf.

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