Filmporträt von Moritz Daniel Oppenheim : Maler der Rothschilds

Er war der erste akademisch gebildete jüdische Künstler der Neuzeit: Isabel Gathof hat Moritz Daniel Oppenheim einen Dokumentarfilm gewidmet.

Ein Selbstporträt von Moritz Daniel Oppenheim
Ein Selbstporträt von Moritz Daniel OppenheimFoto: Feinshmeker Film

„Moritz und das tanzende Bild“ heißt das von den Bildhauern Robert Schad und Pascal Coupot geschaffene zweiteilige Denkmal im Hanauer Stadtzentrum. Gewidmet ist die rostrote, aus einer überlebensgroßen realistischen Figur und einer Gruppe tänzelnder Stahlstelen gebildete Skulptur dem 1800 in der Stadt geborenen Maler Moritz Daniel Oppenheim, der zu einem der angesehensten und populärsten Künstler seiner Zeit aufstieg – und zum ersten akademisch gebildeten jüdischen Künstler der Neuzeit wurde.

Heute ist sein Name nur noch wenigen bekannt. Dieser Widerspruch zwischen enormer Popularität und tendenziellem Vergessen macht auch die Grundspannung von Isabel Gathofs Dokumentarfilm „Moritz Daniel Oppenheim“ aus, der Leben und Werk in konventioneller Manier mit verlebendigt. Ergänzende Kontrapunkte zu den Interviews mit Expertinnen und Experten setzen die Verfertigung eines Denkmals in zwei Werkstätten und Oppenheims Ur-Ur-Ur-Enkelin Patricia Lewin.

Schlüsselfigur zum Verständnis der jüdischen Aufklärung

Ihrem Vorfahr war als Sohn kleinbürgerlicher Eltern eigentlich eine religiöse Laufbahn bestimmt. Doch sein früh offenbares Talent und die rechtliche Gleichstellung durch den napoleonischen Code Civil ließen ihn als ersten Juden ein Kunststudium in München und Paris aufnehmen, auf das die obligatorische Italienreise folgte. Ab 1825 avancierte Oppenheim zum Porträtisten der aufstrebenden jüdischen Gemeinschaft Frankfurts und besonders der Familie Rothschild. In seinem Spätwerk popularisierte er mit den in vielen Formaten veröffentlichten Genreszenen der „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben“ weltweit ein gezielt idyllisierendes Bild bürgerlichen deutsch-jüdischen Lebens.

Aus den Ausführungen von Esther Graf und Erik Riedel wird dabei offensichtlich, dass Opppenheim auch eine Schlüsselfigur zum Verständnis der jüdischen Aufklärung im 19. Jahrhundert ist. Dabei machen die beiden und der Frankfurter Rabbiner Yehuda A. Horovitz in aufschlussreichen Bildanalysen deutlich, welche Einsichten sich aus Oppenheims Gemälden und Familienszenen über die Triebkräfte und Widersprüche der jüdischen Emanzipationsbewegung ziehen lassen. Die patriarchalen Machtverhältnisse werden dabei allerdings weitgehend ausgeblendet.

Unverständlicherweise lässt Gathof zu oft die Talking Heads im Bild. Im Film über einen Maler kommt die Malerei eindeutig zu kurz – und zu spät: Bis zu den analytischen Einsichten braucht es fünfzig lange, oft arg anekdotische Filmminuten. Zusätzlich wird der Fluss der Argumente von Anfang an immer wieder durch peinigend lange Sequenzen unterbrochen, die mit Musikuntermalung eher beliebige Bilder von der allmählichen Verfertigung der Hanauer Skulpturengruppe zeigen. Weniger ausdauernde Teile des Publikums dürften sich zu diesem Zeitpunkt schon verabschiedet haben, bevor „Moritz Daniel Oppenheim“ überhaupt erst zur – höchst spannenden – Sache kommt.

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