Finnisches Design : Bojen und Ufos aus Comics haben Timo Niskanen inspiriert

Mit Holz, Glas und Beton schafft der finnische Designer Timo Niskanen für sein Label Himmee Leuchten voller Wärme.

Der finnische Designer Timo Niskanen mit seiner Leuchte "Loop", für die er einst in Berlin und Mailand nach Herstellern gesucht hatte. Inzwischen produziert er sie selbst für sein Label Himmee.
Der finnische Designer Timo Niskanen mit seiner Leuchte "Loop", für die er einst in Berlin und Mailand nach Herstellern gesucht...Foto: Timo Niskanen

Zum Licht haben die Menschen im Norden Europas eine besondere Beziehung. Es prägt die Stimmung und das Leben. „Das Licht in Finnland ändert sich radikal. Im Sommer nimmt man es nicht wahr, die Sonne geht einfach nicht unter. Wir haben zu viel Licht“, erzählt der junge finnische Designer Timo Niskanen, der vor fünf Jahren seine eigene Firma Himmee gegründet hat. „Ich liebe dunkle, warme Abende. Daher reise ich gerne in den Süden, wo es um 21 Uhr dunkel wird. In Finnland kann man noch spät Sport treiben, es gibt einfach keinen Sonnenuntergang und damit keine Atmosphäre.“

Licht hat ihn schon von Kindesbeinen an fasziniert. Er hat damals an der Aalto University in Helsinki Design studiert, heute befindet sich die renommierte Universität im benachbarten Espöö, wo man jetzt auch Business Administration und technische Disziplinen studieren kann. Alles zusammen sei sinnvoll und ergänze sich.

Niskanen hat sich während seines Studiums mit Licht beschäftigt und an Wettbewerben teilgenommen. Bei einer Leuchtfirma hat er ein Praktikum absolviert und finnischen Designern assistiert. „Ich habe viel von ihnen gelernt und war begeistert von ihren Ideen“, sagt er. Das hat ihn inspiriert und zu eigenen Prototypen ermutigt – mit denen er an der DMY 2009 in Berlin teilgenommen hat, zusammen mit anderen Finnen. Auch bei der Möbelmesse in Mailand war er dabei. „Ich versuchte dort, Hersteller zu finden, und traf auch auf Firmen, die interessiert waren. Aber das war es dann auch“, erzählt er von seinem Frust. Viele junge Designer konkurrieren und buhlen mit ihren Prototypen um die Gunst der Hersteller.

Aus dieser Zeit stammt die „Loop“-Lampe, die heute eigentlich gar nicht typisch für die Himmee-Kollektion ist. Vor drei Jahren hat er sie aber wieder aufgelegt, weil sie einfach toll war. Die Idee zu dieser Lampe war ihm auf einem Minigolfplatz gekommen. Dort gehören Looping-Bahnen zur Standardausrüstung. Was wäre, wenn der innere Rahmen jetzt mit LED leuchten würde?

Die Hängeleuchten aus der "Lento"-Familie und die Tischleuchte "Toad" geben durch das matte Glas dezentes Licht.
Die Hängeleuchten aus der "Lento"-Familie und die Tischleuchte "Toad" geben durch das matte Glas dezentes Licht.Foto: Timo Niskanen

„,Loop’ hat so eine simple, schöne Form. Sie ist so minimalistisch, man braucht nichts anderes“, schwärmt er von seinem frühen Entwurf. Eine italienische Firma sei interessiert gewesen, den Prototypen fertigte er aus dem Material Corian. „Vielleicht war ich zu früh mit meiner Idee, vielleicht lag es auch an den LED“, erzählt Niskanen. Er forderte die Lampe zurück und fand über einen Metallverarbeiter den Weg zu einer Ausführung in Aluminium. „Die Zeit war jetzt reif für das Produkt“, erzählt er. Es sei nicht die populärste Lampe seiner Kollektion, aber sie sei eher eine Skulptur, die auch Raum brauche. Sie ist als Tisch- und als Bodenvariante lieferbar. „Sie gibt aber trotzdem gutes Licht und ist daher mehr als Dekoration,“ erklärt Niskanen.

Timo Niskanen mit seinen Leuchten "Filly" für sein Label Himmee.
Timo Niskanen mit seinen Leuchten "Filly" für sein Label Himmee.Foto: Timo Pyykonen Photography

Mit Himmee hat er sich seinen Traum von der gestalterischen und finanziellen Unabhängigkeit erfüllt. Der Name ist Programm, denn Himmee ist das finnische Wort für Dämmerung, die Niskanen so liebt. Und Himmee ist unter finnischen Jugendlichen die derzeit angesagte Alternative für „cool“. Niskanen setzt gerne Akzente mit Licht, betont Situationen, spart Anderes durch Dunkelheit aus. Seine Tischleuchte „Toad“ besteht aus einer mundgeblasenen Glaskugel auf einem gebogenen Fuß aus Bugholz. Alle Leuchten werden bei Himmee produziert. Das Familienunternehmen kooperiert mit lokalen Handwerkern. Die Hängeleuchte „Poiju“ aus zwei Eschenholzhälften strahlt Wärme aus, sie ähnelt einer Boje – auf Finnisch: poiju.

Die „Lento“-Lampe ist von Ufos inspiriert, wie man sie aus Comics kennt. Unter einem schwarzen Metallschirm aus Aluminium – in drei verschiedenen Ausführungen – befindet sich eine Glaskugel, die angenehmes Licht verbreitet.

Himmees Bestseller ist die Leuchte "Filly" aus Holz und einem Betonfuß.
Himmees Bestseller ist die Leuchte "Filly" aus Holz und einem Betonfuß.Foto: Timo Niskanen

Der Besteller von Himmee ist die „Filly“-Lampenfamilie. Mit ihrem gefalteten Schirm aus Aluminium und ihrem Ständer aus Eiche, der in einem Fuß aus Beton ruht, hat sie etwas von einem Steckenpferd. Es gibt sie als Tisch-, Steh- und Wandleuchte.

Stimmungsvolles Licht gelingt auch ganz ohne Kabel mit dem Kerzenständer „Kaari“, der aus einem hölzernen „U“ besteht. Die Kerzenhalter sind aus Messing und die Sockelscheibe verleiht Halt. „Ich mag natürliche Materialien, vor allem Holz und Glas. Beton liegt irgendwie dazwischen und ist in gewisser Weise doch auch natürlich. Warmes Holz und kalter Beton ergeben interessante Kombinationen. Und die Holzteile sind nie identisch. Sie haben ihre eigene Maserung.“ So hat Timo Niskanen sich einen Traum erfüllt. „Himmee war ein großes Abenteuer und ein langer Weg. Ich bin frei, in dem, was ich tue, und ich bin meine eigene Begrenzung.“

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