Florian Schönfelder startet als Galerist : Mehr Raum für junge Künstler

Der Kunstmarkt stagniert. Florian Schönfelder beeindruckt das nicht. Er hat in Charlottenburg eine Galerie gegründet. Ein Gespräch.

Optimistisch. Florian Schönfeld, 32, studierte Kunstgeschichte, arbeitete als Unternehmensberater.
Optimistisch. Florian Schönfeld, 32, studierte Kunstgeschichte, arbeitete als Unternehmensberater.Foto: privat

Eine Galerie nach klassischem Modell und das in turbulenten Zeiten: Nachdem Florian Schönfelder lange nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht hat, eröffnet er in der Fasanenstraße. Schönfelder, 32, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Volkswirtschaftslehre, sammelte Erfahrung bei Marian Goodman in New York und war lange als Unternehmensberater tätig.

Herr Schönfelder, weshalb eröffnen Sie Ihre Galerie ausgerechnet in einer Stadt mit ungefähr 300 Konkurrenten?
Ich sehe andere Galerien nicht als Konkurrenz, sondern als Kollegen. Es gibt viele Felder, auf denen man zusammenarbeiten kann. Unter professionellen Galerien funktioniert das. Es verlangt aber auch Vertrauen und Transparenz. Außerdem denke ich, dass ich mit meinen Künstlern dem Berliner Markt neu zu entdeckende Positionen hinzufüge – vorwiegend junge, die wie ich Anfang 30 sind. Aber auch weltweit arrivierte Künstler, die hier wenig bekannt sind. Darüber hinaus ist Berlin ein wichtiger Standort, mit dem ich als gebürtiger Berliner verwurzelt bin.

Viele Kollegen klagen über einen stagnierenden Kunstmarkt, vor allem in Berlin. Macht Ihnen das keine Angst?
Für einige Kollegen stagniert das Geschäft, bei anderen floriert es. Da unterscheidet sich die Kunstbranche nicht von anderen Unternehmen. Wenn der Kunstmarkt als stagnierend empfunden wird, müssen die Gründe dafür in komplexeren Zusammenhängen erörtert werden. Man kann sich individuell nicht aus der Verantwortung ziehen. Aber es hängt auch von den kulturpolitischen Weichenstellungen ab, von Konjunkturschwankungen und anderem. Eine Galerie muss sich, wie jedes Geschäft, darauf einstellen und mit Unwägbarkeiten rechnen.

Welche Künstler werden Sie zeigen und was charakterisiert Ihr Programm?
Ich zeige ein Spektrum von jungen, vor allem in Berlin lebenden Künstlern bis zu arrivierten internationalen Namen wie Sarah Alexander, William Cordova, Jacqueline Diffring, Marta Djourina, Alizée Gazeau, Lucia Kempkes, Guillem Nadal, Timo Nasseri und Manuel Stehli.

Weitere Kollaborationen sind in Vorbereitung. Die Künstler kommen aus verschiedenen Kulturkreisen, das Programm konzentriert sich auf konzeptionell, poetisch und philosophisch inspirierte Kunst, ohne sich auf ein Medium oder Strömungen zu beschränken. Qualität und Substanz der Inhalte sind für mich entscheidend.

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Und weshalb macht der katalanische Künstler Guillem Nadal den Anfang?
Guillem Nadal vereint in seiner Arbeit exemplarisch die genannten Entscheidungskriterien für das Galerieprogramm. Mit ihm zeige ich das reife Werk einer authentischen Persönlichkeit. Ich bewundere Nadal seit meiner Teenagerzeit, es ist für mich ein Privileg, mit ihm zu starten.

Auch möchte ich zur Eröffnung Arbeiten zeigen, die zeitgenössisch und zugleich zeitlos sind. Nadal erinnert eindringlich an die Verwurzelung des Menschen in seiner existenziellen Naturbedingtheit. Der Titel der Schau „Fire & Earth“ ist Leitmotiv dafür.
Das Gespräch führte Christiane Meixner. Mehr Informationen: „Fire & Earth“, Sa 26.10. bis 7. 12., Fasanenstr. 28, Di-Sa 11-18 Uhr

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