Oskar Roehler: Abtauchen in einer andere Welt

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Fragebogen zur Berlinale : Lars Eidinger und der zweite Filmriss seines Lebens
Oskar Roehler
Oskar Roehler, 57, zeigte viele seiner Werke auf der Berlinale. Unter andrem: "Gierig", "Die Nacht singt ihre Lieder" und "Jud...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Kino sitze ich am liebsten ...

... am Rand, zwischen der 10. und der 15. Reihe. In den letzten Jahren bin ich – vielleicht Manifest meines Außenseitertums – immer mehr auf die Seiten ausgewichen. So kann man auch schneller raus, wenn ein Film total langweilig ist.

Ein Film, der mein Leben verändert hat ...

... ganz klar: „Eraserhead“! David Lynchs Debüt ist mir bis ins Mark gegangen, finster und vollkommen hoffnungslos: eine Apotheose des Bösen, das aus Schmerz entsteht.

Ein starkes Kinoerlebnis aus dem letzten Jahr?

Paolo Sorrentinos „Ewige Jugend“. Michael Caine hat mich tief beeindruckt und berührt, und überhaupt erinnert der Film mich in seinem Abstraktionsgrad an das große europäische Kino, insbesondere Fellini, wie es heute nicht mehr existiert. Und er macht mir Lust, selber umzudenken beim Filmemachen; das ist viel.

Ein Berlinale-Erlebnis, das ich nicht vergessen werde ...

... wie ich bei meiner ersten Berlinale, das muss ’83 gewesen sein, einen schrecklichen Liebeskummer im Delphi überwunden habe. Da zeigte das Forum drei geniale amerikanische Independents hintereinander – eine echte Anti-Selbstmord-Therapie! Heute fehlen dort solche politisch unkorrekten Sachen.

Ein Berlinale-Erlebnis, das ich lieber vergessen würde ...

... wie ich mal David Lynch als „German Godard“ vorgestellt wurde. Und das bei meinem Idol! Aber „Godard“ und dann auch noch „german“, das war absolut lächerlich, das nahm mir jede Möglichkeit zum Gespräch.

Als Kinoheld ähnele ich am ehesten ...

.. Norman Bates in „Psycho“. Meine Mutter sitzt ja auch als so ’ne Art Skelett im Keller, verformt langsam meine Gene und ruft mich an: „Oskar, zeig nicht dein wahres Gesicht! Halte durch!“

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