Friedrich vergleicht Polen mit Huronen und Irokesen

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Friedrich und Polen : Ablehnung und Verachtung
Hans-Jürgen Bömelburg

Während des Siebenjährigen Krieges plünderten preußische Truppen Sachsen systematisch aus. Als finanziell besonders einträglich erwies sich dabei eine gegen jegliches Kriegsrecht betriebene Münzverschlechterungspolitik: Friedrich ließ durch ein Münzkonsortium in Leipzig und Dresden nicht nur preußische, sondern auf der Basis der erbeuteten polnischen Münzstempel auch minderwertige polnische Münzen – Polen war im Krieg neutral – in großem Umfang nachprägen, zog die höherwertigen Münzen ein und erzielte so erhebliche Gewinne. Das minderwertige Geld sollte nur in Polen, Litauen und Ungarn, vertrieben werden. Natürlich lösten die Münzverschlechterungen eine gigantische Inflation aus und schädigten polnische Untertanen in erheblichem Ausmaß. Was haben die Münzmanipulationen Friedrich II. eingebracht? Der friedrichfreundliche Reinhold Koser hat den Beitrag zur Finanzierung des Siebenjährigen Krieges mit über 20 Prozent veranschlagt; neuere Studien kommen zu höheren Zahlen.

Die erste Teilung Polens 1772 wurde von Friedrich II. dezidiert als Zivilisierungsmission gerechtfertigt. Die Polen seien unzivilisierte Eingeborene, „Irokesen“ und „Huronen“, die aus dem Siebenjährigen Krieg in Übersee bekannten Indianer Nordamerikas: „Wir werden den armen Irokesen die europäische Zivilisation bringen.“ Diese Abwertung der polnischen Eliten sollte die Teilung als wohltätige Mission erscheinen lassen.

Dabei wurde der Wert der Annexionen in Polen systematisch heruntergeredet. An seinen Bruder Heinrich, der die Teilung in Petersburg diplomatisch vorbereitet hatte, schrieb Friedrich im Juni 1772: „Ich habe dieses Preußen, das ich in gewisser Weise aus Euren Händen erhalten habe, gesehen; es ist eine sehr gute Erwerbung und sehr vorteilhaft, sowohl für die politische Situation des Staates wie für die Finanzen; aber um weniger Eifersucht zu erwecken, sage ich zu Jedem, der es hören will, ich hätte dort während meiner Reise nur Sand, Fichten, Nebel und Juden gesehen.“

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