Friedrichs Vorfahren waren für gute Beziehungen zu Polen

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Friedrich und Polen : Ablehnung und Verachtung
Hans-Jürgen Bömelburg

Friedrich und Polen – hierbei handelt es sich um ein lebenslanges Verhältnis, das von Ablehnung und Verachtung geprägt war, jedoch die deutsche – im Unterschied zur polnischen – Forschung kaum beschäftigt hat. Seine Vorfahren hatten über mehrere Jahrhunderte ein gutes Verhältnis zum östlichen Nachbarn gewahrt; der große Kurfürst formulierte eigenhändig für seine Nachkommen: „Mitt dem konige in Pollen vndt der Republick, als den negsten Nachbahren, erstlich wegen der Chur Brandenburg, vndt dan auch wegen Preussen, haltet alzeitt gutte Nachbarschaft“. Ihm war bewusst, dass Brandenburg-Preußen eine mehr als 1000 Kilometer lange Grenze zum polnisch-litauischen Nachbarn besaß, der achtmal größer und dem aufstrebenden Nachbarn an Ressourcen und Bevölkerung überlegen war. Auf ein gutes Miteinander mit Polen war die brandenburg-preußische Staatsräson aufgebaut, nur in Preußen, einem ehemals polnischen Lehnsherzogtum, könnte die Königskrone erworben werden. Erst Friedrich II. kehrte dies um.

Hierbei war er von persönlichen Voreingenommenheiten beeinflusst. Der junge Friedrich machte während Besuchen in Dresden und Gegenbesuchen in Berlin mit dem sächsisch-polnischen Adel Bekanntschaft, 1735 begegnete er dem polnischen Thronprätendenten Stanislaw Leszczynski und dessen Entourage im östlichen Preußen und hielt brieflich fest, „polnische Herren und Damen“ sähen wie „häßliche Affen und häßliche Affenweibchen“ aus: „Das sind nicht Leute wie die, die Sie in Dresden gesehen haben, diese hier verstehen – mit wenigen Ausnahmen – nur polnisch und sind so schmutzig und schmierig, dass man Angst vor ihnen bekommt. Ich habe ihnen eine tadellose Ansprache gehalten“. Der junge Thronfolger nahm sich als „tadelloses“ Mitglied der aufgeklärten Eliten war, während er auf die katholische Adelskultur herabschaute – diese Zuschreibungen prägten lebenslang.

Als Herrscher entwickelte Friedrich II. seit 1740 eine politische Linie, die sich vor allem gegen Habsburg und Sachsen-Polen wendete. In der deutschen Geschichtsschreibung ist die antisächsische Politik Friedrichs oft nicht mit antipolnischen Politiklinien zusammengebracht worden. Der Siebenjährige Krieg entstand aus einem Präventivkrieg gegen Sachsen, den Friedrich mit dem Ziel entfesselte, Sachsen ähnlich wie Schlesien zu erobern.

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