Referenzautor für die Ablehnung alles Polnischen

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Friedrich und Polen : Ablehnung und Verachtung
Hans-Jürgen Bömelburg

Alles deutet darauf hin, dass im Zuge dieser zielgerichteten Kampagne von Friedrich auch das böse Stereotyp von der „polnischen Wirtschaft“, für eine angeblich schlechte Wirtschaftsweise erfunden wurde. Zumindest stammt der älteste Nachweis aus dem friderizianischen Kabinett. Am 2. Oktober 1781 hieß es an die Verwaltung in Westpreußen, als Steuerschulden aufliefen: „Das ist alles die liederliche polnische Wirtschaft der dortigen Edelleute Schuld, die sich nicht zur Ordnung gewöhnen wollen, darum müssen sie das so machen und durchaus keine Reste gestatten, vielmehr scharf dahinter her sein und den Edelleuten Exekution geben, bis sie alles bezahlet haben, denn ansonsten schicken sie das Geld doch nur nach Polen oder fressen alles auf „.

Tatsächlich entwickelte sich Friedrich der Große im 19. Jahrhundert zu einem Referenzautor für eine Abwertung alles Polnischen. Befehle zum Umgang mit der polnischsprachigen Bevölkerung wie „diesen sklavischen Leuten bessere Begriffe und Sitten beizubringen“ oder „solche mit der zeit mit Teutsche zu meliren“ verinnerlichte die Beamtenschaft und leitete daraus ein Überlegenheitsgefühl ab.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert beriefen sich die preußisch-deutschen Eliten für die Abwertung von Polen häufig auf den „großen König“. Otto Hintze, einer der führenden preußischen Historiker, formulierte: „Ordnung und höhere Gesittung sind hier erst durch die preußische Herrschaft begründet worden; wenn der König immer darauf drängte, die minderwertigen polnischen Bevölkerungselemente so viel wie möglich durch deutsche zu ersetzen, so leitete ihn dabei mehr ein unbewußtes Stammesgefühl“.

Kein Nationalist, aber eine Persönlichkeit, an deren Einschätzung sich Deutsche und Polen entzweiten. In dem Maße in dem sich in Deutschland eine über weite Strecken nationalistisch und gegenwärtig kulturalistisch gewendete positive Friedrich-Wahrnehmung durchsetzte, wurde die polnische Wahrnehmung kritischer: Friedrich II. erschien als „Feind“ der Polen und der polnischen Staatlichkeit. Die Ursache liegt auf der Hand: Die deutschen Darstellungen und Debatten um Friedrich II. wurden in Polen stets intensiv rezipiert und – vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Konfliktgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts – in eigene Gegenpositionen umgesetzt. So führten einseitige nationale Indienstnahmen Friedrichs und kulturalistische Inszenierungen unter Ausblendung der Gesellschafts- und Politikgeschichte in Ostmitteleuropa zu scharfer Kritik aus Polen.

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