Frühjahrstrend : Auf den Pudel gekommen

Na, das wurde aber auch Zeit: Gunda Bartels hat den ersten Trend des Frühjahrs entdeckt. Wir verraten schonmal: Er hat Locken und Knopfaugen.

Foto: Mike Wolff

Die Friseurin hat neuerdings einen. Am Treptower Hafen ging Karfreitag einer spazieren. Und schon am Sonntag zuvor kläffte einer am Paul-Lincke-Ufer herum und hechtete flink einem Stöckchen hinterher. Zwar hält sich der Frühling weiter vornehm zurück, aber hey, dies ist Berlin, dreimal ein Alltagsphänomen gesichtet und fertig ist der erste Frühjahrstrend! Der zum Pudel nämlich.

Modeopfer, die kürzlich erst den angesagten Mops durch den noch angesagteren Dackel ersetzt haben, müssen jetzt flexibel reagieren. Fell mit Locken ist in. Vorzugsweise in Mokka bis Kakaokuh, also einem warmen, etwas rotstichigen Braunton. Und ganz wichtig: ungeschoren, was das liebenswürdige Tier vom affektierten Salonhund in ein quirliges, knopfäugiges Lämmlein verwandelt.

Der Vierbeiner erweist sich als Mephisto

Gerade in österlicher Zeit gibt es kulturell keinen ergiebigeren Hund als den Pudel. Nicht wegen der Jacob Sisters, denen ihre vier Kläffer mindestens so wichtig waren wie die Schlagerkarriere. Nicht wegen Jeff Koons, dessen einem Pudel nachempfundene Plastik „Balloon Dog (Orange)“ bei Christie’s für irre 43 Millionen Euro versteigert wurde. Sondern, Deutschlehrer wissen längst Bescheid, wegen Goethes „Faust“, na klar.

Dort läuft dem Gelehrten beim Osterspaziergang mit seinem Famulus Wagner ein seltsamer Hund zu. Wieder daheim, in Fausts Studierstube, wo er laut lesend an einer Bibel-Übersetzung arbeitet, erweist sich der dadurch in Unruhe versetzte Vierbeiner als teuflischer Mephisto. Fausts erschrockener Ausruf „Das also war des Pudels Kern!“ ist ein geflügeltes Wort für das wahre Wesen einer Sache geworden. Beim Spaziergang heißt’s also fein wachsam bleiben: Ein lustig an der Leine daherhüpfendes Lockengeschöpf kann sich plötzlich als Wolf im Schafspelz entpuppen.

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