Geburtstagskonzert für Barenboim : Rote Rosen für den Chef

Standing Ovations, Blumen und Ständchen: Die Staatsoper feiert den 75. Geburtstag von Daniel Barenboim mit einem Konzert.

Daniel Barenboim in der Berliner Staatsoper
Daniel Barenboim in der Berliner StaatsoperFoto: AFP/Odd ANDERSEN

In seiner Autobiografie singt Zubin Mehta einen Hymnus auf seine lebenslange Freundschaft mit Daniel Barenboim, welche gemeinsame Erlebnisse in musikalischer, privater wie auch politischer Hinsicht einschließt. „Eine glückliche Fügung für mich.“

Rote Rosen für Daniel Barenboim, von den Mitgliedern der Staatskapelle einzeln überreicht, Standing Ovations spontan in der Philharmonie, Respekt, Jubel, Zuneigung: So endet dieses bewegende Geburtstagskonzert, das die beiden Musiker zusammen zum 75. Geburtstag des Jüngeren gegeben haben. Ein hochgestimmtes Publikum feiert zugleich Lebenswerk und Gegenwart Barenboims.

Zuerst dirigiert Mehta „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ von Richard Strauss. Der Ton des Märchenerzählers ist bei Mehta ein gemächlich-sachlicher. Und im Ganzen geht er mehr auf die blitzende Instrumentation ein, die ihm vom Orchester und seinen Solisten entgegenkommt, also eher auf Klangschwärmerei als auf die Frechheiten des „Schelmenstücks“. Mild verklärt klingt schon der Gassenhauer Tills, und nach dessen auskomponiertem Galgentod verströmt sich wohlig die wiederhergestellte Harmonie.

Das Publikum singt „Happy Birthday“

Dem schließt sich eine „Stretta für Klavier und Orchester“ von Johannes Boris Borowski an, die er Barenboim gewidmet hat. Dass der junge Komponist aus Hof an der Saale sich auf Tonsatz versteht, den er an der Hanns-Eisler-Hochschule lehrt, zeichnet das Stück aus. Bis zur Windmaschine ist es mit reichem Schlagwerk besetzt. Spielerisches, Tradition, Groteske führen in ein meditatives Selbstgespräch des Klaviers. Mit allen ihren Mitteln aber erinnert die Komposition oft an schon Gehörtes, ohne in ihrer Dauer von über zwanzig Minuten spürbar einer Originalität, einem Eigenton zuzustreben. Als Verehrer von Pierre Boulez steht Daniel Barenboim eigentlich für mehr Innovation.

Der Uraufführung folgt die große Stunde mit dem Klavierkonzert Es-Dur von Ludwig van Beethoven. Gemeinsames Musizieren der Freunde Mehta und Barenboim, das auf Mitdenken der beiden Partner beruht. Der Dirigent Mehta begleitet das Werk auswendig, was bedeutet, dass mit dem „Accompagnement de l’Orchestre“ die sinfonische Grundhaltung der Partitur betont wird. Der Pianist kann seine Interpretation ausbreiten, Unerhörtes in Einstudiertem entdecken. Und mancher Zuhörer wird sich wiederum die Frage stellen, wie der viel beschäftigte Generalmusikdirektor der Staatsoper wohl seine Tage einteilt. Wie er die Zeit zum Üben findet, um so leichtes, perlendes Spiel, immer wieder leggiermente und piano, zu erreichen. Weniger „Emperor“ als kontemplatives Verweilen bestimmt die Aufführung. Im Adagio nimmt der Pianist liebevoll dem Streichersatz Mehtas und der Staatskapelle seinen Einsatz ab, pianissimo allen Ausdrucks voll: ein himmlischer langsamer Satz.

Zum Rosenfinale spielt Barenboim dann noch „Clair de lune“ von Claude Debussy. Und das Publikum singt: „Happy Birthday, lieber Daniel, Happy Birthday to you!“

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!