Gelder für die Provenienzforschung : Raub und Recherche

1,9 Millionen Euro stellt das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste 2019 für die Forschung zur Verfügung. Drei Projekte sind in Berlin angesiedelt.

Nicola Kuhn
Seit Lisa Marei Schmidt 2018 die Leitung des Brücke-Museums übernahm, werden die Bestände der hauseigenen Sammlung systematisch untersucht.
Seit Lisa Marei Schmidt 2018 die Leitung des Brücke-Museums übernahm, werden die Bestände der hauseigenen Sammlung systematisch...Foto: Thilo Rückeis

Womöglich existiert das 1937 der Alten Nationalgalerie verlorengegangene „Liebespaar im Stadtpark von Arles“ noch irgendwo. Hoffnung besteht also noch, dass der van Gogh ursprünglich aus dem Besitz der Sammlerin Thea Sternheim wieder auftaucht. Die Provenienzforschung hat in den letzten Jahren immer wieder Werke aufgespürt, die während des Nationalsozialismus geraubt wurden – nicht zuletzt unterstützt durch das Deutsche Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg. 2019 stellte er weitere 1,9 Millionen Euro für insgesamt 25 Projekte bereit, darunter auch für drei Berliner Institutionen.

So werden am Brückemuseum die vorwiegend aus den Sammlungen des Frankfurter Kaufmanns und Kunsthistorikers Karlheinz Gabler und des Industriellen Ferdinand Ziersch, der den Wuppertaler Kunst- und Museumsverein leitete, stammende Bestände überprüft. Das Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik an der TU schließt nun im dritten Projektjahr ein dreisprachiges Verzeichnis ab, das Akteure, Orte und Netzwerke auf dem französischen Kunstmarkt während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg aufführt. Ebenso erhält das Museum für Kommunikation zum Abschluss seiner dreijährigen Bestandsprüfung noch einmal Fördergelder. Hier werden im Erwerbsbuch des Reichspostmuseums der Jahre 1933 bis 1945 die Ursprünge verdächtiger Objekte untersucht.

Zum Erfolg von Provenienzforschung trägt im Wesentlichen die internationale Vernetzung von Wissenschaftlern bei, die ihre Erkenntnisse austauschen. So endete in Washington gerade erst der Deutsch-Amerikanische Austausch zur Provenienzforschung, kurz Prep genannt, bei dem sich 25 deutsche und amerikanische, auf NS-Raub spezialisierte Forscher zum sechsten Mal trafen. Organisiert wurde die Begegnung von der Smithsonian Institution und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu den Projekten, die diesmal angestoßen wurden, gehört eine Publikation von archäologischem Kulturgut in der NS-Zeit. Der am 8. und 9. November im Berliner Museum für Asiatische Kunst stattfindende Workshop geht ebenfalls auf den Prep zurück.

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Zu den Motoren der Provenienzforschung in Berlin gehört die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der TU. Zusammen mit Felicity Bodenstein und Merten Lagatz vom Forschungscluster „translocations. Historical Enquiries into the Displacement of Cultural Assets“ hat sie eine Filmreihe im Zeughauskino initiiert, die sich nicht nur dem Raub während der NS-, sondern auch der Kolonialzeit widmet. So zeigt Lancelot Oduwa Imasuens Beitrag „Invasion 1897“ von 2014 die Entwendung der Beninbronzen aus nigerianischer Perspektive (5. 11., Beginn 19 Uhr, DHM). Die Reihe setzt sich fort bis 10. Dezember, immer dienstags um 19 Uhr.

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