Gio Ponti und Martino Gamper : Design im Duo

Italien in Charlottenburg: Die Designer Gio Ponti und Martino Gamper sind in zwei Galerien in der Mommsenstraße zu sehen.

Sassa Trülzsch
Couch von Martino Gamper in der Galerie Mehdi Chouakri.
Couch von Martino Gamper in der Galerie Mehdi Chouakri.Foto: Galerie Mehdi Chouakri

Es ist ein unabsichtliches Glück, wenn scheinbar fremde Bereiche überraschend zu einem Kreis zusammenfließen. Er formt sich derzeit auf dem kurzen, eleganten Stück zwischen Knesebeck- und Bleibtreustraße in der Berliner Mommsenstraße, wo zwei benachbarte Galerien ohne Absprache Ausstellungen zeigen, die Besucher einfach verbinden können.

Jochum Rodgers, internationaler Spezialist für Design aus Italien, hat seine Räume für den Mailänder Designer und Architekten Gio Ponti reserviert, dessen Entwürfe den italienischen Look des 20. Jahrhunderts bestimmten. Mehdi Chouakri wiederum fungiert als Gastgeber der Turiner Galerie Franco Noero, die den in Meran geborenen Martino Gamper vorstellt. Ein Designer, der einem Chamäleon gleich zwischen Handwerk, Gestaltung und Kunst wechselt und deren Bedeutungsebenen verwirbelt.

Das Ergebnis ist die Begegnung zweier Geistesverwandter unterschiedlicher Generationen. Vor zwölf Jahren bereits fand Gampers Performance „If Only Gio Knew…“ auf der Designmesse Miami/Basel statt. In einer explosiven Mischung aus Aneignung und Verfremdung bemächtigte sich Gamper einiger Designklassiker – einst aus dem 50er-Jahre-Hotel „Parco dei Principi“ in Sorrent gerettet, einem Gesamtkunstwerk Pontis –, zersägte die wertvollen Vintagemöbel und setzte sie für seine damalige Ausstellung „Gio Ponti Translated by Martino“ neu zusammen. Das klingt erstmal radikal, ist aber auch eine traditionsverliebte Geste. Der Junge nimmt Bezug auf den Alten, und tatsächlich sind sie sich ähnlich in ihrer niemals ruhenden Verspieltheit, Wandlungsfähigkeit und in ihrem Reichtum an Ausdruck.

Vergleich der Haltungen von Ponti und Gamper

Bei Jochum Rodgers sind seltene Stühle verschiedener Werkphasen Pontis zusammengestellt. Auf einigen lässt sich ausnahmsweise Platz nehmen. Aus dieser Perspektive blickt man auf das horizontale Display einer seltenen Sammlung figürlicher, aber funktionsloser Schmuckobjekte, geschnitten aus Metall und emailliert in den appetitlichsten Farben. Sie sind ein Stillleben, das in eine Fotoserie im hinteren Teil der Galerie mündet: Arturo Herreras Dokumentation der seit 1957 erhaltenen Villa Planchart in Caracas in hervorragenden Schwarzweiß-Prints ist der Kommentar eines Künstlers über einen Künstler, dessen wandelbares Haus nur auf den Fotografien stillsteht.

Die Ausstellung bei Mehdi Chouakri beherbergt neben Arbeiten von Martino Gamper auch Malerei von Andrew Dadson, die ein farbliches Echo auf Gampers reiche Bezugsmuster bilden. Die gepolsterte Bank des Italieners ist ein neu-alter Zwitter und Aussichtspunkt auf ein weiteres Display. Das dynamisch geformte Möbel „Poggiaschiena (sopra rosa)“ von 2011 zeigt den Besucher selbst. Hier lassen sich die Haltungen Pontis und Gampers vergleichen. Das berühmte „Parete Organizzata“-Wandregal war bei Ponti ein Angebot zur Platzierung der Dinge und somit auch zur Umwertung ihres Rangs in der Anthologie der Objekte. Gamper verwendet dieselben Methoden, setzt ebenfalls auf den handelnden Menschen, platziert ihn – und macht ihn nicht ohne Ironie zum Ornament.

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Mehdi Chouakri, Mommsenstr. 4; bis 1. 9. , Di – Sa 11 – 18 Uhr / Jochum Rodgers, Mommsenstr. 3; bis 4.8., Sa 11-16 Uhr

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