Madonna kann ihre hohen Ansprüche nicht mehr erfüllen

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Großpop : Madonna klammert sich an ihren Thron

Jetzt hat sich Madonna wieder mit ihrem alten „Ray of Light“-Weggefährten William Orbit zusammengetan. Er produzierte und komponierte bei sechs der zwölf neuen Songs mit. Manchmal schmuggelt er eine Gitarrenfigur oder einen Keyboard-Effekt ein, die an das Meisterwerk von 1998 erinnern. Besonders bei den beiden Balladen am Ende von „MDNA“ scheint seine Handschrift durch. Dominanter sind aber die Einflüsse der Houseproduzenten Benny Benassi und Martin Solveig. Deren Auftrag ist klar: Clubmusik. „I need to dance“ singt Madonna in „I’m Addicted“, einem weiteren knallig-pulsierenden Track, auf den das leicht an Daft Punk erinnernde Stück „Turn Up The Radio“ folgt. In der Mitte der Platte nimmt Madonna das Tempo ein bisschen zurück und gerät mit „Superstar“ auf extrem seichtes Terrain. Begleitet von einer gelangweilt heruntergeschrubbten E-Gitarre trällert sie: „Oh, la la, you’re my superstar/Oh la la, love the way that you are“. Marlon Brando, Cäsar, Michael Jordan und James Dean erwähnt sie – fast alles tote Männer, deren Ruhm schon lange zurückliegt. Sicher möchte sie dies, trotz der anhimmelnden Erzählperspektive, als ihre eigene Star-Ahnenreihe gelesen wissen. Zugleich ist es der einzige kleine Hinweis auf ihr Alter. Denn welche 20-Jährigen wissen eigentlich, wer Marlon Brando war? Ein „Girl“ – und als solches bezeichnet sich Madonna immer wieder in den Texten –, hätte sicher andere Namen gewählt.

Die Sängerin muss sich an den von ihr selbst sehr hoch gesteckten Ansprüchen messen lassen. Und so kann man nur festhalten: „MDNA“ wird in ihrer Diskografie unter „Sonstiges“ einsortiert werden. Dass sie immer noch ein gutes Disco-Album zustande bringt, hatte sie bereits 2005 mit „Confessions On A Dancefloor“ bewiesen. Hierhin wollte sie offenbar zurück. Doch rückwärts war eigentlich nie die Richtung der dynamischen Dame aus Michigan. Eine ihrer Stärken bestand immer in der Fähigkeit, sich zu wandeln. Weshalb es jetzt fast tragisch anmutet, wie sie versucht, das Tanz-Mädchen zu konservieren. Aus dieser Sackgasse wieder herauszukommen ist schwer für Madonna. Denn ihre Selbstinszenierungen waren stets sehr körperbetont. Ob Marilyn Monroe, Domina oder Cowgirl – die muskulöse Sängerin setzte ihre Jugendlichkeit, Schönheit und Sexyness voll ein. Sie prägte das role model der selbstbestimmten, modernen Frau entscheidend mit. Für viele ist sie eine feministische Ikone. Diesen Status bringt sie mit ihrem inzwischen unwürdigen Girlie-Auftreten ernsthaft in Gefahr.

Angesichts ihrer Verdienste könnte sie sich zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich der Nachwuchs an ihr abarbeitet. Denn jede Lady Gaga und jede Lana Del Rey wird auch in Zukunft an ihr gemessen werden. Sie selbst muss da gar nicht mehr mitmachen. Es ist Zeit, dass Madonna wieder ein Vorbild wird. Für Pop-Sängerinnen über 50, die sich nicht schämen, über 50 zu sein.

„MDNA“ erscheint bei Universal.

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