Hannes Grasseggers Essay „Das Kapital bin ich“ : Geld gegen Daten

Hannes Grassegger hat seine Kampfschrift "Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir" vor vier Jahren verfasst - und jetzt aktualisiert. Der Essay ist dringlicher denn je.

Hauptsache online. Soziale Medien sind allgegenwärtig.
Hauptsache online. Soziale Medien sind allgegenwärtig.Foto: AFP/Nicholas KAMM

Es mehren sich die Stimmen, die die Allgegenwart sozialer Medien beklagen, ja, die vor dem hemmungs- und gedankenlosen Gebrauch von Facebook, Twitter, Google und Co ausdrücklich warnen. Neben der von Jaron Lanier (siehe oben), gehört eine der wichtigsten dem Schweizer Wirtschaftswissenschaftler und Journalisten Hannes Grassegger, der schon vor vier Jahren seinen kampfschriftartigen Essay „Das Kapital bin ich“ verfasste. Doch auch heutzutage, da ihn der Verlag noch einmal neu und aktualisiert veröffentlicht, statt mit dem Untertitel „Schluss mit der digitalen Leibeigenschaft“ nun mit „Meine Daten gehören mir“, hat dieser Essay nichts von seiner Dringlichkeit verloren. Er scheint geradezu noch dringlicher geworden zu sein.

Grassegger zeichnet nach, dass analoge und digitale Welt schon lange miteinander verschmolzen sind; er stellt dar, wie Facebook und die anderen zu Giganten wurden, was ihr Geschäftsmodell ist, und dass viele Menschen die Kontrolle über ihre Daten längst verloren haben, nicht ahnend oder nicht wissen wollend, dass damit viel Geld verdient wird. Als das „Öl des 21. Jahrhundert“ bezeichnet Grassegger´ überspitzt diesen neuen Rohstoff,, mit dem ein schwunghafter Handel betrieben wird. So fordert er ein „explizites Eigentumsrecht an unseren Daten“.

Es geht darum, wachsam und zurückhaltend mit den eigenen Daten umzugehen

Und er empfiehlt, dass wir diese vermehrt verschlüsseln (wofür es Techniken gibt), wir also eine Art technisches Grundbuch anlegen, und private Daten erst herausgeben, wenn dafür ein ordentlicher Gegenwert fließt. Das ist Zukunftsmusik, durchaus reale, spielt aber auch der kapitalistisch orientierten Selbstoptimierung in Hände und Karten.

Aber mit dem doch unrealistischen Löschen der Accounts, wie es Lanier fordert, ist es nicht getan. So bleibt vor allem, sensibler mit den eigenen Daten umzugehen, sich noch mehr in Wachsamkeit und Zurückhaltung in puncto Datenherausgabe zu üben.

Hannes Grassegger:  Das Kapital bin ich. Meine Daten gehören mir. Verlag Kein & Aber, Zürich 2018. 64 Seiten, 8 €.

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