Haus Bastian an der Museumsinsel : Der geschenkte Schlüssel

Ein Haus mehr für die Staatlichen Museen: Die Familie Bastian schenkt ihr gerade einmal zwölf Jahre altes Galeriehaus der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Wuchtig. Das Haus Bastian gegenüber der Museumsinsel.
Wuchtig. Das Haus Bastian gegenüber der Museumsinsel.Foto: Monika Skolimowska/dpa

Am Dienstag feierte Hermann Parzinger seinen 60. Geburtstag – so, wie kaum jemand einen runden Geburtstag feiern kann. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bekam nämlich ein Haus geschenkt, das heißt, sogleich bekamen es die Staatlichen Museen weitergereicht, die zum Stiftungsverband zählen. Deren Generaldirektor Michael Eissenhauer nahm einen goldenen Schlüssel in Empfang, der zwar in kein Schloss passt, aber als Bart eine miniaturisierte Abbildung der Ostfassade eben des Präsents zeigt, des Hauses Bastian am Kupfergraben gegenüber der Museumsinsel.

Gut einhundert Festgäste applaudierten, und so gab es nur einen Tag nach der nicht minder festlichen Verleihung des James-Simon-Preises an den Lübecker Unternehmer und Mäzen Christian Dräger, vorgenommen im Bode-Museum auf der Museumsinsel, nochmals Mäzenatentum von heute zu bestaunen.

Die Familie Bastian, in der Person von Heiner Bastian als dem langjährigen Kurator der Sammlung Erich Marx seit jeher den Museen nahe, schenkt ihr gerade einmal zwölf Jahre altes Galeriehaus dem Museumsverbund, der darin sein Zentrum für kulturelle Bildung einrichten will. Ende August, so Parzinger, werde das Haus nach gewissen Umbauten „seiner Bestimmung übergeben“, nur gut einen Monat nach der Eröffnung der James-Simon-Galerie als dem zentralen Eingangsgebäude der Museumsinsel. Die Simon-Galerie – Eröffnung durch Kanzlerin Merkel vorgesehen – soll gerade dem Mangel an zeitgemäßen Vermittlungsräumen abhelfen; sie wird für diesen Zweck nun um ein 2000 Quadratmeter Geschossfläche messendes Haus ergänzt.

Das Haus vollendet die Museumsinsel

„Was für ein Tag für die Stiftung und ihre Museen! Was für ein Haus!“, begann Parzinger seine Dankesworte. Da lächelte es quer durch die Reihen der Festgemeinde, denn genau diesen Ton hat bislang stets nur einer angeschlagen, der nun schon seit zehn Jahren pensionierte Museums-Generaldirektor Peter-Klaus Schuster. Der vermochte solche Festveranstaltungen auf unvergleichliche Weise zu zelebrieren – und behielt auch gestern mit einer Ansprache das letzte und zweifellos schönste Wort. Da ging es nicht mehr um schnöde Museumspädagogik – so sagt man aber heute nicht mehr, sondern nennt es „kulturelle Bildung“ –, sondern um die Museen überhaupt. Sie seien „die Vollendung der Aufklärung“, jubelte Schuster und kam dann elegant auf den konkreten Anlass zurück: „Mit der Überlassung von Haus Bastian vollendet sich die Museumsinsel.“

So kann man es in der Tat sehen. Es erweist sich als Glücksfall, dass der Architekt des Wiederaufbaus des Neuen Museums, David Chipperfield mit seinem in Berlin ansässigen Zweigbüro, nicht nur der Architekt der diesem vorgelagerten James-Simon-Galerie ist, sondern eben auch des lange zuvor entstandenen Galeriegebäudes auf dem Eckgrundstück an der auf die Insel führenden Straße. Diesem Bauwerk ist nunmehr, seines kommerziellen Ursprungszwecks ledig, der noble Name „Haus Bastian“ zuteil geworden und wird fortan vom Großmut seiner Stifterfamilie künden.

Chipperfields Kupfergraben-Athen ist Klassik der Moderne

2002 hatten Bastians für das von ihnen erworbene, durch Kriegszerstörung brachliegende Grundstück einen Architekturwettbewerb unter fünf Büros ausgelobt. Die Ergebnisse präsentierten sie in Absprache mit dem damaligen Museums-Generaldirektor Schuster Anfang 2003 im Pergamonmuseum. Das rief, wegen der Verquickung des öffentlichen Ortes mit einem kommerziellen Bauvorhaben, einiges Stirnrunzeln hervor.

Nun aber, 16 Jahre später, erweist sich diese Geste als Vorahnung: Was damals vorgestellt wurde, entpuppt sich als Ergänzung der Museumsinsel am geeignetsten Ort. Gestern sprach Schuster von „Chipperfields neugeschaffenem Kupfergraben-Athen im Zeichen einer Klassik der Moderne“. Nur konnte es der angesprochene Baumeister nicht hören. Er weilte in Übersee zur Annahme eines weiteren Auftrags, woran es ihm wahrlich nicht mangelt – vielleicht auch, weil er auf und an der Museumsinsel so glanzvoll reüssiert hat.

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