Helmut Baumann wird 80 : Ein Tusch für Mr. Musical

Intendant, Choreograf, Tänzer und Tausendsassa: Helmut Baumann feiert an diesem Donnerstag seinen 80. Geburtstag. Eine Gratulation.

Musiktheaterlegende. Helmut Baumann.
Musiktheaterlegende. Helmut Baumann.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Pumps stehen ihm super. Als Zaza im Musical „La Cage aux Folles“, seiner Paraderolle, in der Helmut Baumann ab 1985 fünf Jahre lang über die Bühne des Theater des Westens stöckelt, nachdem er die deutschsprachigen Aufführungsrechte des Broadway-Hits kaperte. Und auch dreißig Jahre später, als er 2015 im Wintergarten Varieté in dem Zweipersonenstück „Sally und Fred“ an der Seite von Sally Bowden einen greisen Showstar auf Hartz IV spielt. Nur als Mustafa Bey an der Komischen Oper, wo er ab März wieder in Barrie Koskys Inszenierung von Paul Abrahams „Ball in Savoy“ zu sehen ist, trägt er Fez statt hoher Hacken.

Dass Musical, Travestie und Tingeltangel dem am 31. Januar 1939 in Berlin- Friedrichshagen geborenen Choreografen, Regisseur und Intendanten mal so am Herzen liegen werden, ist zu Beginn der Bühnenkarriere nicht abzusehen. Die startet Baumann solide als Solotänzer an der Hamburger Staatsoper. Anfang der Siebziger gründet er das dem modernen Tanz gewidmete Tanzforum der Oper Köln mit. Und eine Dekade später beginnt dann am Theater des Westens unter Götz Friedrich und Helmut Baumann das, was heute die Komische Oper unter Barrie Kosky erlebt: eine weit über Berlin hinaus bestaunte Blüte der leichten Muse, des geistreichen, witzigen, glamourösen Musiktheaters.

Er nannte sich lächelnd einen "militanten West-Berliner"

Das glaubt kein Mensch, der es nicht selbst gesehen hat, wie viel Biss und Pep die in rotzigem Berlinerisch intonierte „My Fair Lady“ an der Kantstraße hatte. Auch der umwerfenden Inszenierung von „Porgy and Bess“ 1988 weint man leise nach, wenn man dort heute alle naselang „Tanz der Vampire“-Plakate flattern sieht.

Helmut Baumann, der sich schon mal lächelnd einen „militanten West-Berliner“ nennt und seit ewigen Zeiten mit seinem Lebensgefährten in Charlottenburg lebt, hat den 14-Stunden-täglich-Posten 1999 abgegeben und einfach als Regisseur und Darsteller im ganzen Land weitergemacht. In den Nullerjahren inszeniert er an den Ku’dammbühnen Komödien wie „Das Apartment“ und das Musical „Swingin’ Berlin“ über die von den Nazis bekämpfte Swing-Jugend. „Ich will unterhalten durch Erkennen, es muss mehr sein als nur Tanderadei“, sagt der nie anders als freundlich und zuvorkommend auftretende Herr.

Trotzdem ist er als Regisseur und Darsteller in Wien, München oder Bremen viel präsenter als daheim in Berlin. Das ändert 2013 Barrie Kosky, der in weiser Erkenntnis künstlerischer Seelenverwandtschaft seinen Vorgänger als Musical- und Operettenkönig der Stadt für „Ball im Savoy“ engagiert. Inzwischen spiele er lieber, als Regie zu führen, sagt Helmut Baumann. „Das ist lustiger und hält fit.“ Na, dann: Prosit zum 80!

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