Hendrik Nicolaas Werkman in Schwerin : Gekonnt gedruckt

Das Staatliche Museum Schwerin zeigt die experimentellen Drucke des Avantgarde-Künstlers Hendrik Nicolaas Werkman (1882-1945).

Der Druck „hot printing“, 1935-1936, gab der Ausstellung in Schwerin ihren Namen.
Der Druck „hot printing“, 1935-1936, gab der Ausstellung in Schwerin ihren Namen.Foto: Sammlung Königliche Bibliothek Den Haag

Dass Hendrik Nicolaas Werkman (1882-1945) einmal als gefeiert Künstler mit Ausstellungen im In- und Ausland geehrt werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Er war kein besonders guter Schüler. Seine Mutter musste ihn letztlich sogar von der Schule holen. 1900 trat er dann eine Lehre als Drucker an, auch erste journalistische Versuche sind überliefert. 1908 gründete er seine eigene Druckerei in Groningen. Sein erstes Gemälde ist auf 1917 datiert. Bald darauf wird er Mitglied in der Groninger Künstlergruppe „De Ploeg“. Für einen Autodidakten eine reife Leistung. Doch in dieser 1918 gegründeten avantgardistischen Gruppe fühlte sich Werkman wohl. Die Gründer wie Jan Altink fühlten, dass eine neue Zeit gekommen war und wollten mit den Traditionen des 19. Jahrhunderts brechen. „Weil in Groningen im Bereich Kunst nicht so viel passierte, dachte ich ans Urbarmachen und deswegen auch ans Pflügen. So kam ich auf den Namen De Ploeg“, sagte er vor 100 Jahren.

Van Gogh war die große Inspiration. Außerdem lernte Mitgründer Jan Wiegers bei einem Aufenthalt in Davos Ludwig Kirchner kennen. Der deutsche Expressionismus beeinflusste „De Ploeg“ und damit auch Hendrik Werkman, der ab 1923 begann, mit seiner Druckerei zu experimentieren. Er produzierte sogenannte „Druksels“, Kleindrucksachen, grafische Gebilde, bei denen er große und kleine Lettern von ihrer ursprünglichen Bedeutung befreite und sie für freie Kompositionen nutzte. Er verwendete auch große und kleine Zahlen, ja sogar Türschaniere, um mit ihnen direkt die Farbe auf das Papier zu drucken. 556 Druksel sind bekannt, sein Oeuvre umfasst 2000 Werke.

Er wurde mit der Zeitschrift „The Next Call“ bekannt

Unter dem Titel „hot printing“ zeigt das Staatliche Museum Schwerin nun in Kooperation mit dem Groninger Museum und dem Museum Spendhaus in Reutlingen vor allem die druckgraphischen Experimente des Niederländers, der in seinem Land zu den Großen der Avantgarde zählt.

Bekannt wurde er mit der kleinen experimentellen Zeitschrift „The Next Call“, von der zwischen 1923 und 1926 neun Ausgaben erschienen, in denen er vor allem auch seine „Druksels“ verbreitete. Theo van Doesburg und El Lissitzky wurden so auf ihn aufmerksam im fernen Groningen.

So entstehen phantastische Drucke wie etwa „Komposition mit dem Buchstaben O“ (1927/28) oder eben die Titelbilder von „The Next Call“, die in ihrer Komposition an typographische Werke von El Lissitzky erinnern. Werkmans Freude an der Farbe und an kühner Komposition verblüffen, er fügt sich nahtlos in die Strömungen der 20er und 30er Jahre ein.

Der Überfall auf sein Land hat ihn entsetzt

Viele Niederländer kennen Hendrik Werkman aber auch als den Helden des Widerstands gegen die deutsche Besatzung. Der Überfall auf sein Land hat ihn entsetzt. Der Druckerei fehlten plötzlich die Aufträge und er selber fühlte sich gelähmt. Werkman weicht in die Malerei aus, was nur möglich war, da er offiziell als Drucker registriert war und nicht als Künstler. Sonst hätte er der Kulturkammer der deutschen Besatzer beitreten müssen, um arbeiten zu können.

Er druckt für den niederländischen Widerstand heimlich die Hefte „De blauwe Schuit“ (Die blaue Barke). Darin sind auch die Drucke seiner berühmten „Chassidischen Legenden“ veröffentlicht. 1945 wurde Werkman auch wegen dieser Legenden vom Sicherheitsdienst verhaftet und erschossen.
Im Nachkriegsdeutschland hat sich vor allem der Grafiker HAP Grieshaber um das Werk Werkmans verdient gemacht.

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Die Ausstellung ist noch bis zum 24. Februar im Staatlichen Museum Schwerin zu sehen, täglich von 10 bis 17 Uhr (montags geschlossen). Der Eintritt kostet 6,50 Euro.

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