Herrenhäuser Gärten : "Stolz auf diese Perle"

Heute wissen viele Besucher von Hannovers wichtigster Touristenattraktion, den Herrenhäuser Gärten, nicht mehr, dass die schmuckreiche Restaurierung des Gartens in die NS-Zeit fiel. Vier Ausstellungen widmen sich dem Thema.

Hannover - Den Nazis kam das frisch aufpolierte Aushängeschild Hannovers für ihre Propaganda gerade recht: "Es gibt kein schöneres Symbol für das neue Deutschland", hieß es 1937 bei den Festreden in den Herrenhäuser Gärten, als unter Hakenkreuzfahnen der umgestaltete Große Garten wiedereröffnet wurde. Seiner Erneuerung vor 70 Jahren ist in Hannover vom 1. April an eine umfangreiche Ausstellungs- und Vortragsreihe unter dem Motto "...prächtiger und reizvoller denn jemals..." gewidmet.

Hannoversche Kurfürsten und Könige ließen die Herrenhäuser Gärten zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert anlegen. Sie vereinigen verschiedene Stilrichtungen der Gartenkunst: Barock, den englischen Landschaftsgarten und den botanischen Garten. 1936 gelang es dem damaligen Oberbürgermeister Arthur Menge, dem Welfenhaus die vom Verfall bedrohten Gärten für einen bezahlbaren Preis abzukaufen. Menge erklärte den Umbau zur Chefsache und ließ sie mit beispiellosem Aufwand in nur zehn Monaten erneuern, auch um seine Wiederwahl zu sichern. Dabei hatte der Heimatbund Niedersachsen sich bereits seit 1923 für eine Rettung der Herrenhäuser Gärten eingesetzt.

Gartengedenkmalpflege kam in Mode

Zwar entstanden neben der Restaurierung des Großen Gartens weitere bedeutende Grünanlagen und der Maschsee in Hannover während der NS-Zeit. Ihren Ursprung hatten diese Vorhaben aber nicht bei den Nationalsozialisten. "Es gab in den 30er Jahren eine erste Tendenz, sich überhaupt mit historischen Gärten zu beschäftigen", sagt Klaus von Krosigk von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landschaftsplanung. So wurde in dieser Zeit auch der Schlossgarten in Brühl im Sinne der barocken Gartenkunst umgestaltet und der Rokoko-Garten in Schwetzingen in Stand gesetzt. Die Parkanlagen in Neuhardenberg wurden um einen Rosengarten erweitert.

Als viele private Gärten und Parks dem Staat zufielen, nahm damit in den 1920er- und 1930er Jahren die Gartendenkmalpflege einen Aufschwung, wie Gartenhistoriker Peter Fibich erklärt. Veränderungswille und Bewahrungsabsicht seien damals entgegenstrebende Kräfte gewesen. Im Großen Garten sei dann auch nicht sachgerechtes Restaurieren das Ziel gewesen, erläutert der hannoversche Professor für Gartengestaltung, Joachim Wolschke-Buhlmahn. Unter völliger Missachtung historischer Vorlagen wurden eine Aussichtsterrasse und acht Sondergärten eingefügt. Dabei ging es um eine Weiterentwicklung zum Zier- und Schaugarten mit Blumenschmuck, reicher Ornamentik und Beleuchtung.

"Die Visitenkarte Hannovers"

Die umgestalteten Gärten trugen wesentlich dazu bei, Hannovers Image als "Großstadt im Grünen", mit dem die Stadt bereits zuvor geworben hatte, weiter zu prägen. Zusätzliches Publikum locken die Gärten seit Jahrzehnten bei Großveranstaltungen wie den "Festwochen Herrenhausen" oder dem "Kleinen Fest im Großen Garten" an. "Die Herrenhäuser Gärten sind die schönste Visitenkarte Hannovers", meint Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD). "Die Gärten tragen enorm zur Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt bei, wir sind stolz auf diese Perle."

Die Umgestaltung des Großen Gartens haben vom 1. April bis zum 13. Mai in Hannover vier Ausstellungen zum Thema. Neben je einer Schau in der Universität und im Großen Garten selber beschäftigt sich das Historische Museum mit dem nationalsozialistischen Einfluss auf die Grünanlagen, während das Stadtarchiv sich mit Propaganda und Marketing rund um die Gärten von 1936 bis 1966 befasst. Außerdem sind Vorträge und Führungen zur Grün- und Stadtplanungspolitik geplant. (tso/dpa)

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