Herzogliches Museum Gotha : Afrika lockt

1862 macht Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha eine Reise ins ferne Abessinien – und bringt Exotisches mit. Die skurrilen Souvenirs sind im Museum in Gotha zu sehen.

Robeert Kretschmer: Elefantenjagd, Reprouktion aus einem Reiseprachtband von Ernst II. 1864.
Robeert Kretschmer: Elefantenjagd, Reprouktion aus einem Reiseprachtband von Ernst II. 1864.Foto: Stiftung Schloss Freidenstein Gotha

„Pflanzen, Thiere, selbst Bodenbildung und Gestein, alles erschien neu, zumeist unbekannt. Hier folgten meine Blicke kleinen und großen Vögeln, deren Namen und Gattungen ich nicht zu nennen wußte; dort flatterte ein fremdartiger Schmetterling im buntesten Kleide auf seltsamen Pflanzenformen; hier wieder lag eine Menge blendendweißer Steine wie ausgestreut umher! War es Kalkspath oder Kiesel, hatte ihn Menschenhand oder die uralte Arbeiterin Natur vor mir ausgebreitet? Waren es Trümmer alter Bauten, oder Trümmer herabgeschwemmten Felsgesteins?“

Staunend beschreibt Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (1818–1893) in seinen Erinnerungen „Aus meinem Leben und aus meiner Zeit“ im dritten Band 1889 Eindrücke von seiner großen Afrikareise, die ihn 27 Jahre zuvor nach Abessinien führte. Jetzt, zu seinem 200. Geburtstag, widmet sich eine kleine Ausstellung der Expedition des Fürsten, der auch ein Förderer der Künste war. Er ließ das Herzogliche Museum Gotha errichten, in dem die Ausstellung nun zu sehen ist, und bestand darauf, dass es für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein habe.

Nach dem Tod seines geliebten Bruders Albert, Ehemann von Königin Victoria von Großbritannien, entschloss sich Ernst II. recht spontan, eine solche abenteuerliche Reise zu unternehmen, um auf andere Gedanken zu kommen und auch die Sammlungen zu erweitern.

Der Vortrag eines Wissenschaftlers in Gotha brachte ihn auf die Idee, eine Expedition Richtung Abessinien zu starten, was gewiss auch seiner neu gegründeten ornithologischen Gesellschaft zu Gute gekommen sollte. Außerdem hoffte man auf Neuigkeiten über den verschollenen deutschen Forscher Eduard Vogel zu erlangen.

Die Reise war alles andere als bequem

Afrika war im 19. Jahrhundert so etwas wie ein Sehnsuchtsort für viele Europäer, nicht nur für Forschungsreisende. Und wer es sich leisten konnte, rüstete eine Expedition aus, um das zu sehen, was man bisher nur aus Büchern kannte. Ein wenig Expertise unterwegs konnte auch nicht schaden und so bat der Herzog den Reiseschriftsteller Friedrich Gerstäcker und den Zoologen Alfred Brehm, ihn zu begleiten. Ernst II. rüstete eine Expedition mit 22 Personen aus, darunter seine Frau Alexandrine und die Ehefrau Brehms sowie weitere Bedienstete. Es ging über Wien, Triest nach Alexandria und dann weiter nilaufwärts. Die Reise war alles andere als bequem trotz der ganzen Ausrüstung, die man auf Kamelrücken mitschleppte.

Sie versäumten es nicht, einen Ausflug nach Luxor zu unternehmen, bevor sie mit der englischen Fregatte „Odin“, die man dem Herzog zur Verfügung gestellt hatte – Beziehungen waren schon damals wichtig – von Suez Richtung Ostafrika bis nach Massaua im heutigen Eritrea reisten, damals der bedeutendste Hafen am Roten Meer. Der Herzog begab sich ungeduldig auf seinen ersten Jagdausflug an Land und schoss vor allem Vögel für seine ornithologische Sammlung. Daher finden sich in der Ausstellung Perlhühner und Geier neben anderen Exoten. Sogar einen Elefantenschädel konnte er bei seiner Rückkehr vorweisen. Sein Herzenswunsch, einen Löwen zu erlegen, ging aber nicht in Erfüllung. Friedrich Gerstäcker berichtete von der Reise des Herzogs relativ aktuell in deutschen Zeitungen, darunter auch in der „Coburger Zeitung“. Der Maler Robert Kretschmer hielt verschiedene Szenen der Reise fest, für alles war gesorgt.

Sein Hauptinteresse galt der Jagd

Ernst II. ließ seine Frau und die Damen in einem bescheidenen Lager bei Massaua zurück, um sich dann mit seiner Begleitung auf die eigentliche Reise in das Land der Bogos in den Bergen des heutigen Eritrea zu begeben. Er war fasziniert von der Landschaft und der Tierwelt Auf die einheimische Bevölkerung schaute er mit einer gewissen Distanz, die wohl typisch für die Zeit war. Sein Hauptinteresse galt der Jagd.

„So Manches war gesammelt worden, was uns als Erinnerung und Merkwürdigkeit in den heimathlichen Welttheil begleiten sollte. Auch an lebenden Thieren fehlte es nicht; neben verschiedenen Vögeln, einem Affen einem Ziegenbock, waren auch zwei schöne Löwen (das freundliche Geschenk des Paschas), eine Hyäne und ein junger Wolf auf dem Schiff unterzubringen“, schreibt der Herzog in seinen Memoiren.

Ein Schmuckstück der Ausstellung sind der rote Prachtmantel mit Kopfbedeckung und die Waffen, die einst Theodor II., dem Kaiser von Abessinien gehört hatten. Herzog Ernst hatte ihn erst 1878, zehn Jahre nach dem Suicid des Kaisers angesichts eines drohenden britischen Angriffs von einem österreichischen Diplomaten geschenkt bekommen, ein trauriges Dokument kolonialer Geschichte.

Die Ausstellung "Auf Expedition nach Afrika - Zum 200. Geburtstag Herzog Ernsts II. von Sachsen-Coburg und Gotha" ist noch bis zum 27. Januar 2019 im Herzoglichen Museum Gotha zu sehen; täglich von 10 bis 16 Uhr, Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Mehr Infos finden Sie hier.

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