Hohe Mieten, miese Stimmung : Eine Umfrage zur Situation der Berliner Galerien

Erhöhung der Mehrwertsteuer für Kunst, hohe Mieten, globaler Markt: Die Berliner Galerien befinden sich in einer Krise.

Das diesjährige Plakat des Gallery Weekend Berlin
Das diesjährige Plakat des Gallery Weekend BerlinFoto: Christoph Söder/dpa

Der Titel lässt wenig Raum zur Interpretation. „Berliner Galerien im Stimmungstief“ steht dick auf dem Ergebnis einer Umfrage unter hiesigen Kunsthändlern. (Ergebnisse unter www.berliner-galerien.de)

Die letzte ist von 2014, also Schnee von vorgestern. Die Mieten in der Hauptstadt, die Erhöhung der Mehrwertsteuer für Kunst, die globale Marktsituation: All das hat sich radikal verändert und beeinflusst die finanzielle Situation der Galeristen.

Was der Landesverband der Berliner Galerien mit dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller nun veröffentlicht und dazu im Haus Huth mit einem hochkarätigen Podium diskutiert hat, stimmt nachdenklich. Es beginnt mit der neuen Zahl von 339 Berliner Galerien, von denen ein gutes Drittel geantwortet hat und so die Umfrage „repräsentativ und belastbar“ macht, wie Andreas Herrmann vom Landesverband konstatierte. 339, das sind gut 100 Galerien weniger als 2014 – und die Diagramme der 36 Seiten langen Ergebnisse färben die Zukunft des Kunsthandels nicht rosiger.

Die Teilnahme an relevanten Kunstmessen kostet viel Geld

Anschaulich machte Hermann dies am Beispiel der Mieten. Wenn 70 Prozent der Galeristen ihre Räume als größten Kostenfaktor nennen, gleichzeitig aber 49 Prozent angeben, mit ihrer aktuellen Gewerbemiete im Berliner Durchschnitt zu liegen, sei klar, dass viele von ihnen in nächster Zeit noch mehr finanziell belastet würden. Weil die Mieten kontinuierlich steigen.

Da helfen auch die Maßnahmen der Senatsverwaltung für Kultur nicht. Förderung der freien Szene, von Künstlerateliers und Art Week: Was dem ehemaligen Kulturstaatssekretär André Schmitz als Moderator an aktuellen Förderinstrumenten einfiel, wurde von der jungen Neuköllner Galeristin Anne Schwarz und ihrem Kollegen Thomas Schulte auf dem Podium fortgewischt. Es erreiche die Galerien nicht, argumentierten beide. Schulte fiel gleich noch ein Ärgernis ein.

Rund 400.000 Euro müsse er jährlich investieren, um weltweit an den relevanten Kunstmessen teilzunehmen. Seine Kollegen aus Österreich würden dagegen staatlich unterstützt: Das Bundesministerium für Wirtschaft sieht im Messeauftritt die Kultur des Landes weltweit beworben und erstattet den Galerien die Hälfte ihrer Kosten.

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„Alarmierend“ nennt der Landesverband das Ergebnis der Umfrage

Berlin hat so etwas nicht. Genauso wenig wie einen Ankaufsetat, mit dem die Museen auf den Kunstmessen im ehemaligen Flughafen Tempelhof Kunst von den dort ausstellenden Galeristen erwerben könnten. Das weiß auch Schmitz, der seufzend eingestand, es sei ein Skandal, dass sich die Berliner Institutionen jeden Ankauf und jede Ausstellung „zusammenbetteln“ müssten.

Dass bei den Galerien noch vor den Mieten als größtes Problem die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 2014 rangiert, ging fast unter. Tatsächlich benachteiligt sie deutsche Kunsthändler – vor allem jene, die nicht in ihren internationalen Dependancen nach günstigeren Steuersätzen abrechnen können.

„Alarmierend“ nennt der Landesverband das Ergebnis. Auch weil 84 Prozent der Galeristen auf die Frage, ob sie unter den heutigen Umständen noch einmal eine Galerie eröffnen würden, eine klare Antwort gaben: Nein.

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