Wozu gibt es Verkehrszeichen?

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Hommage an Gaston : Der Chaot vom Dienst
Ach, wie leicht ist mir zumute. Gaston Lagaffe schlurt durch seine Welt, die Redaktion einer Zeitschrift, die er regelmäßig durcheinanderbringt.
Ach, wie leicht ist mir zumute. Gaston Lagaffe schlurt durch seine Welt, die Redaktion einer Zeitschrift, die er regelmäßig...Abbildung: Franquin©Dargaud-Lombard, 2016

Im Laufe der Jahre erweitert sich Gastons Aktionsradius, er geht auf die Straße, legt sich – lange vor Seyfried! – ununterbrochen mit Gendarmen an, und weil Franquin ein Liebhaber von Oldtimern war, fährt Gaston in ständig versagenden Alt-Autos herum, ohne einen Pfifferling auf Verkehrszeichen und Ordnungshüter zu geben. Was der belgisch-französischen Leserschaft gewiss aus dem Herzen gesprochen war.

Auch eine Verehrerin bekommt Gaston, die obersüße Archivmaus Jeanne mit Sommersprossen, Brille und Pferdeschwanz; allerdings durfte Franquin, was die zarten Liebesbande anbelangt, im katholisch-prüden Belgien jener Jahre nicht allzu weit gehen. Mahnende Briefe des Verlegers, unter die Dokumente der Ausstellung gemischt, zeugen von mühsam gebändigten Konflikten. Zu sehen sind ferner neben Reproduktionen zahlreicher Strips originale Zeichnungen, die den wundervoll poetischen Strich Franquins offenbaren, und Fotos aus dem schrägen Alltag der Redaktion.

Mit Franquin sollte auch Gaston sterben

Franquin, ein melancholischer Charakter mit depressiven Aussetzern, musste irgendwann aus dem „Spirou“-Idyll heraus und brachte „schwarze Ideen“ zu Papier, für die er sich neue Publikationen für eine erwachsene Leserschaft schuf. Politisch engagiert war Franquin überdies, er ließ Gaston für Amnesty International auftreten und früh schon für ökologische Kampagnen.

Rund 900 Folgen von Gaston hat er gezeichnet, die ersten 400 mit seinem zu Beginn gerade einmal 22-jährigen Kompagnon Jidéhem (Jean de Mesmaeker), und er verfügte, dass die Serie mit seinem Tod endet. Kein penibel kopiertes Nachleben wie bei Asterix. Nebenbei ist es interessant zu sehen, wie ähnlich sich manche Figuren und ihre Körpersprache bei diesen Antipoden der frankophonen Comicwelt denn doch sind. Es sind der Realismus im Detail, die räumliche Perspektive, die Andeutung von Bewegung und nicht zuletzt die mit Lautmalereien und Piktogrammen angereicherten Sprechblasen, die bei beiden Serien stilbildend wirkten. Franquin hat für Gaston überdies Ausdrücke erfunden, die unübersetzbar bleiben, aber zum Wortschatz Frankreichs gehören, wie der Ausruf „Rogntudjuu!“. Was immer das heißen mag: Es wurde verstanden.

Paris, Bibliothèque publique d'information, Centre Pompidou, bis 10. April. Eintritt frei. Sehr schöner Katalog 30 €.

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