Hommage an Josef Suk im Kammermusiksaal : Träume eines Prachtkerls

Von Dvořák unterrichtet, von Brahms anerkannt, als Geiger bekannt: Der spätromantische Komponist Josef Suk erhält im Kammermusikaal ein spannendes Portrait.

Voller Gespür. Der US-Amerikanische Violinist Noah Bendix-Balgley.
Voller Gespür. Der US-Amerikanische Violinist Noah Bendix-Balgley.Foto: Promo/ Noah Bendix-Balgley

Für Kirill Petrenko ist Josef Suk einer der größten spätromantischen Komponisten, und so schickt der Maestro nach der sinfonischen Großtat des „Asrael“ die kammermusikalischen Formationen „seiner“ Philharmoniker ins Rennen. Dieser Suk-Marathon ergibt ein spannendes, vielschichtiges Portrait des Tschechen, dem breiten Publikum besser als großer Geiger und Dvořák-Schwiegersohn bekannt denn durch seine Werke. Dabei ist die Spätromantik eher Ausgangspunkt für stilistische Wandlungen.

Mit Aplomb betritt der 17-Jährige mit seinem Opus 1, dem Klavierquartett a-Moll, die kammermusikalische Bühne, dramatisch gespannt und schwärmerisch ausgesungen vom Philharmonia Klaviertrio Berlin, das Julia Gartemann an der Viola ergänzt. „Sie Prachtkerl“ kommentierte das der Lehrer und Mentor Antonìn Dvořák. Von ihm zeigt sich der junge Schüler vielleicht am ehesten im Klavierquintett a-Moll (1893) beeinflusst, das sogar die Anerkennung des für seinen Spott gefürchteten Johannes Brahms erwarb.

Ein avantgardistischer Wurf

Das Venus Ensemble Berlin, dem Özgür Aydin als sensibler Klavierpartner hinzutritt, erweckt sein feines polyphones Gespinst zu klangsinnlichem Leben – dennoch spürt man, wie dieses etwas überladene Werk über sich selbst hinausdrängt. Zuvor schon präsentiert das Feininger Trio mit dem spröderen c-Moll- Klaviertrio bei aller Hochspannung die Suche nach Reduktion.

Sie vollzieht sich in radikaler harmonischer Kühnheit nach dem doppelten Schicksalsschlag des frühen Todes von Schwiegervater und Ehefrau: Tamara Stepanovich verleiht dem Klavierzyklus „Životem a snem“ (Erlebtes und Erträumtes) von 1909 mit differenzierter Anschlagskultur impressionistische Klangvaleurs, rückt auch mit härterem, rhythmisch prägnantem Zugriff albtraumartig Groteskes in Prokofjew- Nähe.

Äußerst eindrucksvoll auch „Vier Stücke op.17“ (1900) für Violine und Klavier, deren weiten Ausdrucksradius und fragile, flexible Faktur Noah Bendix-Balgley mit frappierendem Gespür für Temposchwankungen und dynamische Nuancen erfüllt. Das Philharmonische Streichquartett schließlich vermag im Quartett Nr. 2 von 1910 fragmentarische Entwicklungen, von einem immer wieder eingestreuten Choralmotiv strukturiert, fasslich darzustellen – ein avantgardistischer Wurf, um dessen Misserfolg, so Suk, ihn Arnold Schönberg beneidet hätte.

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