"Hommage an Malewitsch" : Das umstrittene "Schwarze Quadrat"

Selten hat es um ein Kunstwerk, das noch gar nicht existierte, einen solchen Wirbel gegeben. Berlin weigerte sich. Jetzt steht der schwarze Kubus von Gregor Schneider vor der Hamburger Kunsthalle und ist Teil der Ausstellung "Das schwarze Quadrat - Hommage an Malewitsch".

Hamburg - Als der Künstler aus Mönchengladbach- Rheydt (Nordrhein-Westfalen) seine Skulptur, die an die Kaaba in Mekka erinnert, 2005 auf dem Markusplatz in Venedig aufstellen wollte, sorgte das für einen Skandal. "Aus politischen Gründen" wurde das Projekt von der Biennale-Leitung kurzfristig abgesagt. Auch der Hamburger Bahnhof in Berlin stoppte das Projekt kurz vor der Realisierung.

"Freiheit der Kunst verteidigen"

"Wir müssen die Freiheit der Kunst verteidigen. Deshalb musste der Kubus gebaut werden!", verkündete Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner in Hamburg. Die Interpretation des Kunstwerkes sei ebenso vielschichtig wie das "Schwarze Quadrat" von Malewitsch und deshalb gehöre es in diese Ausstellung über die Bedeutung des Russen für nachfolgende Künstlergenerationen. Wie Schneiders Werk "haus ur", dem Jahre langen Umbau im Inneren eines einfachen Wohnhauses, sei der Kubus "geheimnisvoll und abgeschlossen, die Verwandlung eines Innenraums in einen Außenraum". Niemals hätten Muslime gesagt, der Kubus solle nicht gebaut werden. "Das war Zensur, die den muslimischen Mitbürgern in die Schuhe geschoben wurde."

Auch Gregor Schneider ist froh, dass sein 14 Meter hoher und 13 Meter breiter und tiefer Kubus nun endlich Realität wurde. "Kaaba heißt übersetzt Würfel. Jeder Würfel steht im Zusammenhang mit der Kaaba. Das Wunderbare ist doch, dass in dieser Skulptur alles drin steckt. Es handelt sich um eine universelle Form, die frei ist für alle Interpretationen und kulturübergreifend fasziniert", meinte der 37-Jährige. In dieser Urform könne man auch Gemeinsamkeiten von Judentum, Christentum und Islam sehen - schließlich haben alle drei Weltreligionen gemeinsame Ursprünge mit Abraham - und dieser soll nach islamischer Auffassung die Kaaba errichtet haben.

Neben Malewitsch weitere zahlreiche russische Künstler vertreten

Für Wirbel wollte Kasimir Malewitsch (1878-1935) auf jeden Fall sorgen, als er 1915 zum ersten Mal sein "Schwarzes Quadrat" ausstellte. Das Gemälde, das die im Kubismus begonnene Abstraktion auf die Spitze treibt, sollte "die Kunst vom Gewicht der Dinge befreien". Daraus entwickelte der russische Künstler den Suprematismus (Lateinisch: der Höchste), eine Bewegung, der sich Mitte der 20er Jahre weitere russische Künstler anschlossen. Neben Malewitsch, von dem mehr als 40 Werke - größtenteils aus dem Russischen Museum in St. Petersburg - gezeigt werden, sind daher auch El Lissitzky, Alexander Rodtschenko, Olga Rosanowa und Ivan Puni mit Werken in der Ausstellung vertreten.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die intensive Auseinandersetzung westeuropäischer und amerikanischer Künstler mit dem "Schwarzen Quadrat". Die präsentierten Werke reichen von Jean Tinguelys kinetischen "Méta-Malevitchs" über die strenge Formensprache der Minimal Art von Carl Andre, Ad Reinhardt oder Sol LeWitt bis zu den ironisch gebrochenen Arbeiten von Sigmar Polke, dem ein höheres Wesen befahl, die rechte obere Ecke eines Bildes schwarz zu malen. Am Ende huldigt die slowenische Gruppe Irwin Malewitsch mit einer besonderen Installation: Die historische Aufnahme des aufgebahrten Künstlers rekonstruiert sie als Installation im Maßstab 1:1. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 10. Juni. (Von Carola Große-Wilde, dpa)

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