• Humboldt-Forum im Schloss: Generalintendant Dorgerloh: „Das Programm bestimmen wir“

„Das Humboldt-Forum muss das Thema Kolonialismus offensiv ansprechen“

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Humboldt-Forum im Schloss : Generalintendant Dorgerloh: „Das Programm bestimmen wir“
Schlossherr. Hartmut Dorgerloh (55) hat Kunstgeschichte und klassische Archäologie in Berlin studiert. 2002 wurde er Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Im Juni übernimmt er die Generalintendanz des Humboldt-Forums.
Schlossherr. Hartmut Dorgerloh (55) hat Kunstgeschichte und klassische Archäologie in Berlin studiert. 2002 wurde er...Foto: imago/Jens Jeske

Bei Ihnen mischen der Berliner Kultursenator und die Kulturstaatsministerin mit. Wie gehen Sie damit um?

Mir war wichtig, dass in der Stiftungsratssitzung, in der ich gewählt wurde, von Bund und Land noch einmal die Freiheit der Kunst und Wissenschaft im Humboldt-Forum betont wurde. Das ist ein hohes Gut. Trotzdem hat der Stiftungsrat eine Aufsichtspflicht, denn wir setzen öffentliche Gelder ein. Aber das Programm bestimmen wir.

In Potsdam haben Sie hunderte Millionen Euro zur Sanierung der Schlösser akquiriert. Werden Sie dieses Talent zur Geldbeschaffung auch beim Humboldt-Forum einsetzen müssen?

Wir werden erst in den nächsten Jahren feststellen, was das Haus tatsächlich kostet, wie viel Personal es braucht. Das hängt auch von der Besucherzahl, den Angeboten, unseren Partnern ab, die Geld mitbringen. Es ist wichtig, den Schlossverein zu unterstützen, um Spenden zu werben, denn es fehlen noch ein paar Millionen Euro zur Fertigstellung der Fassaden.

Was halten Sie da vom freien Eintritt?

Das ist eine grundsätzliche politische Frage: ob Leistungen im Gemeinwohl kostenfrei sind. Die Diskussion kann man genauso im Bereich der Schulen oder dem öffentlichen Nahverkehr führen. Ich finde die dreijährige Testphase für die ständigen Angebote gut. Sonderausstellungen, die temporären Formate werden etwas kosten. Ich weiß aber, dass der freie Eintritt auf der Museumsinsel, beim Berliner Dom, dem Deutschen Historischen Museum keine Freudenstürme auslöst, da sie Besucherabwanderung befürchten. Wir werden die Auswirkungen mit den Kollegen diskutieren. Langfristig muss es eine einheitliche Regelung geben.

Im Moment wird über das Humboldt-Forum vor allem als Aufbewahrungsort von Exponaten aus dem kolonialen Kontext diskutiert. Wie bringen Sie sich da als Experte für die Hohenzollern ein?

Auch Preußen hat eine Geschichte des Kolonialismus. Die Hohenzollern hatten in Afrika Handelsstützpunkte. In den Sammlungen der preußischen Schlösser gibt es Stücke, die in diesem Zusammenhang diskutiert werden müssen. Die Elfenbeinmöbel im Schloss Oranienburg haben eine andere Geschichte als die ostasiatischen Porzellane in Schloss Charlottenburg – ob als Handelsware oder Geschenke. Auch wir betreiben Provenienzforschung in Sachen Bodenreform, DDR- Unrecht, NS-Raubkunst. Konkret sind die Staatlichen Museen in der ersten Verantwortung. Das Humboldt-Forum aber muss das Thema offensiv ansprechen und die Ergebnisse vorstellen, wenn sie mitunter auch unbefriedigend sein mögen.

Sollten Sie nicht im Herbst 2019 mit einer Sonderschau zu dem Thema an den Start gehen?

Es gibt viele Initiativen. Der Museumsbund hat gerade seinen Leitfaden herausgegeben, das DHM plant eine Tagung zu einem Steinkreuz aus Namibia, das Auswärtige Amt macht gerade eine Veranstaltung in Hamburg. Auch international ist viel in Bewegung. Wir verfolgen genau, was Bénédicte Savoy im Auftrag der französischen Regierung mit ihrem senegalesischen Kollegen Felwine Sarr in Erfahrung bringt. Im Humboldt-Forum kann das unterschiedliche Formen annehmen – ob als Kolloquium, Datenbank oder Podcast.

Am Humboldt-Forum wird diese Problematik repräsentativ für die Republik verhandelt.

Wir sind zwar der prominenteste Ort, aber die Aufgabe stellt sich auch ethnologischen Sammlungen in Leipzig, Hamburg oder Stuttgart. Das können wir nicht alleine lösen.

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