Im Kino: "Lux - Krieger des Lichts" : Superheld auf dem Seil

Der Berlin-Film „Lux – Krieger des Lichts“ überzeugt mit sanfter Moral – und mit Franz Rogowski.

Sarah Kugler
Wir zwei. Torsten (Franz Rogowski) glaubt, in Kitty (Kristin Suckow) seine Traumfrau gefunden zu haben.
Wir zwei. Torsten (Franz Rogowski) glaubt, in Kitty (Kristin Suckow) seine Traumfrau gefunden zu haben.Foto: Zorro Film

Nur ganz kurz blitzt das glamouröse Superheldenpathos auf. In einer mit knackiger Musik unterlegten Nahaufnahme, die ein Superheldenoutfit in Szene setzt. Das glänzende Logo, die schwarzen Handschuhe, ja sogar ein flatterndes Cape – schon erscheint ein strahlender, zweiter Batman. Allerdings nur auf der Leinwand. Ohne die Idealisierung der Kamera verliert das Wesen an Glanz, sein Kostüm ist als selbstgebastelt erkennbar, und aus Lux, dem Krieger des Lichts, wird Torsten aus Berlin, gespielt von Franz Rogowski ("Fikkefuchs", "Love Steaks").

Torsten ist ein junger stiller Mann, der Lebensmittel an Obdachlose verteilt, seine Mutter (Eva Weißenborn) betreut und für vertriebene Mieter auf die Straße geht. Einer, für den der Müllmann genauso ein Held ist, wie der Mann mit der Fledermausmaske und der am liebsten anonym bleiben möchte. Deswegen die Maskierung, die ihm zum Verhängnis wird. Sein Kostüm fällt auf, ein Filmteam (Tilman Strauß und Anne Haug) möchte eine Dokumentation über ihn drehen, alles läuft aus dem Ruder.

Dabei fängt es ganz harmlos an: Torsten erzählt von seinen Idealen, macht Liegestütze vor der Kamera, läuft durch die nächtliche Stadt. Dem Produzenten (Heiko Pinkowski) reicht das nicht. Er will Action, Sex, Gewalt. Keinen Berliner Schule-Scheiß, wie er sagt, sondern Hollywood. Da das Leben aber nun mal kein Drehbuch ist, wird nachgeholfen und Torsten medial aufgebaut. Plötzlich ist er ein YouTube-Star mit Tausenden von Klicks. Die Menschen reißen sich um Selfies mit ihm. Das Ideal des bescheidenen Helden schwindet.

Regisseur Daniel Wild spielt in seinem Spielfilmdebüt „Lux – Krieger des Lichts“ gekonnt mit den Stereotypen der Superheldenfilme. Schon Spiderman erlag der Versuchung des öffentlichen Ruhms und vergaß dabei seine Pflicht. Batman hingegen, ganz der gebrochene Held, zog sich in die Düsternis seines Leids zurück. Daniel Wild lässt Torsten beides sein: strahlend und gebrochen. Doch weil – und das ist die Stärke des Films – er eben nur ein Mensch in der realen Welt ist, ohne Superkräfte, ohne Comic-Fiktionalität, ist die Fallhöhe besonders ausgeprägt. Torstens Schwanken zwischen moralischen Vorsätzen und Gefallsucht, zwischen Unsicherheit und Stärke spiegelt sich auch auch im visuellen Konzept. Wild unterscheidet kaum zwischen Filmhandlung und Dokumentation. Die Kamera ist immer ein bisschen verwackelt, das Bild oft an den falschen Stellen unscharf. Das wirkt stilistisch wie ein Seiltanz – mit Franz Rogowski als liebenswertem Tänzer.

Er wechselt mühelos die Emotionen, bringt seine Empfindungen mit dem ganzen Körper zum Ausdruck. Aus der geduckten Schildkrötenhaltung darf er sich immer nur kurz aufrichten. Etwa wenn er auf die Tänzerin Kitty (Kristin Suckow) trifft und kurzzeitig Hoffnung auf eine zarte Romanze besteht. Dann strahlt er. Dann ist er wirklich ein Krieger des Lichts, einer der stark genug ist, die Bürde des Helden zu tragen. Doch das hält nicht lange. Um die Frage stellen zu können, wie ein realer Superheld von heute aussehen muss und vor allem darf, muss der Regisseur seinen Helden zerstören – um ihn später wieder auferstehen zu lassen.

Letzlich erzählt "Lux" vom Heldentum eines jeden von uns

Fast zu weit treibt es Daniel Wild, wenn er Torsten selbst zum vermeintlichen Täter werden lässt. Die medialen Grenzen hebt er dabei – ähnlich wie Peter Weir 1998 in der Satire „Die Truman Show“ – vollkommen auf. Torsten wird zum reinen Sensationsobjekt. Ein Bild, das heute, wo jeder Unfall auf Youtube landet, fast schon Gewohnheit ist. Letztlich erzählt „Lux“, der bei den Hofer Filmtagen den Heinz-Badewitz-Preis für die beste Nachwuchsregie gewann, vom Heldentum eines jeden von uns. Dem ohne Pathos und ohne Kostüm.

In Berlin im Babylon Kreuzberg, Cinemaxx Potsdamer Platz, Filmkunst 66, Filmtheater am Friedrichshain, Intimes

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