• Internationales Literaturfestival Berlin beginnt: Mario Vargas Llosa hält Eröffnungsrede

Internationales Literaturfestival Berlin beginnt : Mario Vargas Llosa hält Eröffnungsrede

In fast ganzer Größe und Pracht: Das Internationale Literaturfestival Berlin findet auch in diesem Jahr trotz Corona mit vielen Live-Events statt.

Redet zur Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals: Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa.
Redet zur Eröffnung des Internationalen Literaturfestivals: Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa.Foto: picture alliance/dpa

Es ist dann wohl wirklich „ein kleines Wunder“, von dem Festivalleiter Ulrich Schreiber im Programmheft spricht, nämlich dass auch dieses 20. Internationale Literaturfestival Berlin stattfinden kann. Und zwar wie gehabt, das angekündigte Programm lässt daran keinen Zweifel: Ab diesem Mittwoch in aller Größe und Pracht, gefördert nicht zuletzt vom Staatsministerium für Kultur und Medien.

Die Corona-Pandemie? Das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober? Spielt natürlich in den kommenden zehn Festivaltagen durchaus eine Rolle, gleichermaßen inhaltlich wie praktisch, man denke nur an die inzwischen gewohnten Hygienevorkehrungen. Oder an die kleiner ausfallenden Kartenkontingente, die es für die Veranstaltungen beispielsweise im Kammermusiksaal der Philharmonie gibt oder im Silent Green, dem Weddinger Hauptquartier des Festivals.

Vargas Llosa unterhält sich mit dem Bundespräsidenten

Angekündigt sind fast 150 Autorinnen und Autoren aus 50 Ländern, von denen die meisten leibhaftig nach Berlin kommen. Darunter viel Prominenz, Autoren, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurden oder immer wieder zum Favoritenkreis der Schwedischen Akademie gehören. (Es gibt dieses Jahr übrigens auch wieder einen Literaturnobelpreis! Die Verkündigung ist am 8. Oktober).

Der in Madrid lebende peruanische Schriftsteller und Nobelpreisträger des Jahres 2012, Mario Vargas Llosa, eröffnet das Festival am Mittwochabend in der Philharmonie mit einer Rede (am Tag darauf spricht Vargas Llosa noch öffentlich mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über die Pandemie „als Bewährungsprobe für die liberale Demokratie“), dicht gefolgt von der polnischen Autorin Olga Tokarczuk, der Literaturnobelpreisträgerin 2018. Tokarczuk gibt andernorts im Silent Green in der Reihe „The Art of Writing“ Auskunft über ihre literarische Arbeit.

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Nicht weniger prominent sind natürlich die ewigen Literaturnobelpreis-Anwärter und -Anwärterinnen, die allerdings allesamt nur digital zugeschaltet sind, der israelische Schriftsteller David Grossman (der bereits am Montag aus seinem neuen Roman „Was Nina wusste“ las) sowie die US-Autoren Richard Ford und Joyce Carol Oates. Noch mehr Namen, nicht unbedingt literaturnobelpreisverdächtig, aber populär: Isabel Allende ist zugeschaltet, genauso Hilary Mantel, Joe Saccho oder Etgar Keret. Ingo Schulze wird vor Ort sprechen und lesen, klar, als Berliner, aber auch Thomas Hettche, Colum McCann, Leif Randt, Matias Faldbakken, Kamel Daoud oder Wolfram Eilenberger.

Die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk.
Die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk.Foto: imago

Also: ein Who is Who der Literaturszene. Ein Fest der Literatur, das mehr ist und ausdrücklich sein will. Das Internationale Literaturfestival versteht sich seit seinen ersten Ausgaben nicht nur als „„riesige Welterfahrungs- und Sprachschatzkammer“, wie es Schreiber einmal formuliert hat, sondern als explizit politisch.

So wird gleich am Mittwochmorgen zu einer weltweiten Lesung für die Demokratiebewegung in Hongkong aufgerufen, dabei sollen die 30 Menschenrechts-Artikel gelesen werden, die sich in über 500 (!) Sprachen auf der Webseite der Vereinten Nationen finden (wobei die Webseite nicht verrät, wie man online dabei sein kann); so gibt es eine Veranstaltungsreihe über literarische Perspektiven auf misogyne Strukturen und Gewalt gegen Frauen; auch eine Reihe mit „Visionen der Bioökonomie“ wurde eingerichtet. Die Themen: „die Rolle der Bäume für unsere Ökosysteme“, das Insektensterben, das Phänomen „Landgrabbing“ und Fleisch, das im Labor hergestellt wird.

Schon am Donnerstagabend ist einmal mehr die Pandemie das große Thema. Da untersuchen im Kammermusiksaal neben Vargas Llosa und Tokarczuk auch Daniel Kehlmann, Nora Bossong, Pankraj Mishra und Sharon Dodua Otoo die Wechselwirkungen der Coronakrise und versuchen die Frage zu beantworten: „Wie kann Kultur dazu beitragen, auch in Zeiten der Krisen die Demokratie zu stärken und die nationalistischen Tendenzen einzudämmen?“ Berlin dürfte jedenfalls die nächsten zehn Tage ganz im Zeichen der Literatur stehen, und das ist bei dem guten, großen Programm sicher kein Wunder.

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