• Interview mit Aki Takase,Alexander von Schlippenbach und Silke Eberhard: „Der Jazz ist unverwüstlich“

Dolphy war ein unheimlihch innovativer Musiker. Er hat auch die Bassklarinette in den Jazz eingeführt.

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Interview mit Aki Takase,Alexander von Schlippenbach und Silke Eberhard : „Der Jazz ist unverwüstlich“
Tobias Lehmkuhl
Alexander von Schlippenbach und Aki Takase bei ihrem Eric Dolphy gewidmeten Projekt im RBB-Sendessal.
Alexander von Schlippenbach und Aki Takase bei ihrem Eric Dolphy gewidmeten Projekt im RBB-Sendessal.Foto: Kulturradio/ Gregor Baron

Und wie sind sie dann mit dem Material, das so fragmentarisch ist, umgegangen?

SILKE EBERHARD: Da war die Frage – spielt man das eins zu eins nach oder wirft man einen eigenen zeitgenössischen Blick darauf. Dafür habe ich mich dann entschieden.

A. v. SCHLIPPENBACH: Dolphy war ja ein unheimlich innovativer Musiker. Er hat die Brücke geschlagen zwischen Bebop und Free Jazz. Deswegen ist er auch heute noch so interessant.

AKI TAKASE: Er hatte auch eine aberwitzige Technik.

SILKE EBERHARD: Ja, er hat als Erster diese hohen Intervallsprünge angewendet. Und er hat auch die Bassklarinette in den Jazz eingeführt.

Sie alle drei haben sich nicht nur Eric Dolphy gewidmet, auch, in unterschiedlichen Kombinationen, Thelonious Monk, Fats Waller oder Ornette Coleman. Worin liegt der Reiz dieser Erinnerungsprojekte?

A. v. SCHLIPPENBACH: Wir verehren sie, und inzwischen liegen die ganzen Sachen auch gedruckt vor. Und da es erstklassige Musik ist, kann man sie immer wieder bearbeiten. Das haben die klassischen Musiker vorgemacht. Schönberg hat Bach bearbeitet. Musik kommt von Musik.

SILKE EBERHARD: Oder eben Eric Dolphy, der „God Bless the Child“ bearbeitet hat.

Hat das Jazzfest heute noch den Stellenwert, den es früher hatte? Es gibt ja inzwischen mit dem Jazzfest in Moers oder Jazzbaltika sehr viel Konkurrenz.

A. v. SCHLIPPENACH: Ich glaube, es ist nach wie vor die Nummer 1. Es hat diese lange Geschichte. Außerdem wird es auch von der internationalen Presse wahrgenommen. Aber natürlich steht und fällt alles auch mit dem künstlerischen Leiter. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Nils Landgren kümmert sich Bert Noglik zum Beispiel auch um den progressiven Jazz.

Hoffen wir mal, dass das auch mit dem neuen Leiter, dem britischen Journalisten Richard Williams im nächsten Jahr so bleibt, gerade weil es das Total Music Meeting ja nicht mehr gibt.

A. v. SCHLIPPENBACH: Bevor es vor fünf Jahren eingestellt wurde, galt es ja als Anti-Festival, es war aber vielmehr eine Art Ergänzungsfestival, wo in erster Linie der neue, europäische Jazz präsentiert wurde.

Wie sehen Sie die Lage des Jazz heute?

A. v. SCHLIPPENBACH: An der Basis sieht es gut aus. Es gibt eine Menge junger Adepten, die sich bemühen, so viel wie möglich zu spielen. Außerdem gibt es eine ganze Reihe kleinerer Spielstätten, bei denen jeden Abend was los ist. Die offizielle Seite dümpelt da so ein bisschen nach. Wir haben kaum Möglichkeiten, im Rundfunk etwas zu produzieren, leider. Aber Jazz ist sowieso unverwüstlich. Er geht durch alle Stile durch und transformiert sich. Um die Zukunft brauchen wir uns keine Sorgen zu machen.

AKI TAKASE: Zum Glück wohnen wir in Berlin. Da gibt es viele Möglichkeiten. Man kann immer wieder neue Dinge mit neuen Leuten ausprobieren. Das ist immer frisch und interessant. Das gibt es in keiner anderen Stadt.

SILKE EBERHARD: Ja, die Stadt ist ein Magnet. Um einen kleinen Gig in irgendeinem kleinen Laden zu spielen, kommen sie aus New York.

Das Interview führte Tobias Lehmkuhl.

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