Jack Quartet im Kammermusiksaal : Die fantastischen Vier

Neuer Sound im Berliner Kammermusiksaal: Das Jack Quartet aus den USA begeistert mit zeitgenössischer Musik.

Das Jack Quartet aus den USA
Das Jack Quartet aus den USAFoto: Beowulf Sheehan

Natürlich liegen Laptops auf den Notenpulten. Weil das Jack Quartet ausschließlich neue und neueste Musik spielt, ist es nur folgerichtig, dass sich die vier Amerikaner auch heutiger Technik bedienen, die ihnen erlaubt, über eine auf dem Boden liegende Fernsteuerung die Seiten per Fußklick umzublättern. Das ist praktisch, weil sie ja schon alle Hände voll damit zu tun haben, ihren Instrumenten die verrücktesten Sounds zu entlocken. Viele Stück von Zeitgenossen, aber auch aus dem 20. Jahrhundert gleichen ja experimentellen Versuchsanordnungen, bei denen es darum geht, die klanglichen Möglichkeiten von Geige, Bratsche und Cello immer weiter zu spreizen, die Reibung zwischen dem Rosshaar des Bogens und dem Stahl der Saiten in jede nur erdenkliche Richtung auszureizen.

Hingebungsvoll produzieren die jungen Männer, die sich während ihrer Studienzeit an der Eastman School of Music in Rochester zusammengetan haben, die irrwitzigsten Töne, fügen das scheinbar Unzusammenhängende, ja Widerstreitende zur künstlerischen Einheit. Ein Werk wie Eliott Carters 3. Streichquartett von 1972 beispielsweise ist schwer auszuhalten, wenn man es von der CD nur hört. Man muss es live erleben, sehen, dass sich das Jack Quartet aufspaltet und – wie beim Tennis-Doppel – an den Rändern des Spielfelds Aufstellung nimmt. Die 1. Violine und das Cello bilden ein Duo, die 2. Violine und die Bratsche das andere: Mit Sportsgeist und der virtuosen Professionalität von durchtrainierten Spezialisten präsentieren Christopher Otto, Austin Wulliman, Jay Campbell und John Pickford Richards diesen akustischen Wettkampf.

Die eigene Begeisterung für eine Sache vorzuleben, ist ja stets die beste Taktik, um auch andere dafür zu begeistern. Am Dienstag im Kammermusiksaal gelingt das den fantastischen Vier aus den USA spielend. Durch ihre Fokussiertheit auf leiseste Nuancen bei Morton Feldmans „Structures“, durch die Wendigkeit, mit der sie in Zosha di Castris 1. Streichquartett und Liza Lims „The Weaver's Knot“ zwischen verschiedenen Techniken hin und her wechseln. In „Tetras“ von Iannis Xenakis kommt sogar noch der Spaßfaktor hinzu, wenn es gilt, wie Türen zu knarren, Froschgeräusche zu imitieren oder gemeinsam zum Insektenschwarm zu werden, der am Ende in den Nachthimmel entschwindet.

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