Janna Steenfatts "Die Überflüssigkeit der Dinge" : Sex, Schlaf, Gin Tonic

Janna Steenfatts Debütroman „Die Überflüssigkeit der Dinge“.

Die Schriftstellerin Janna Steenfatt
Die Schriftstellerin Janna SteenfattFoto: Sascha Kokot/Verlag

Es ist nicht das Schlechteste, wenn jemand nach dem allmählichen Zerstäuben juveniler Illusionen endlich erkennt, mitten im Leben zu stecken: „Ich hatte eigentlich schon lange nichts mehr gewollt, außer ein Auskommen zu haben, wie man so sagte, genug Schlaf und etwas Sex und Gin Tonic, das musste auch mal reichen im Leben, dachte ich, zumindest die nächsten paar Jahre." Schließlich, auch das weiß Ina, die desillusionierte, ernüchterte Heldin und Ich-Erzählerin von Janna Steenfatts Debütroman „Die Überflüssigkeit der Dinge“ (HoCa, Hamburg 2020.240 S., 22 €)., sei „das Leben an sich" vorübergehend, „umso schneller wenn man etwas nachhalf."

Eine Frau sucht ihren Vater

Nachgeholfen hat in Inas Fall ihre Mutter, eine abgehalfterte Schauspielerin, sie ist mit dem Auto zwischen zwei Bäume gefahren. Ina macht sich dann auf die Suche nach ihrem Vater, den sie nie kennengelernt hat, von dem sie aber weiß, wer er ist: der Theaterregisseur Wolf Eschenbach. Und sie erzählt, wie sie wurde, was sie ist. Oder was für eine eigenartige Beziehung sie zu ihrem Mitbewohner Falk hat. Oder wie sie sich am Hamburger Schauspielhaus, wo sie in der Kantine arbeitet, in eine Schauspielerin verliebt. In Steenfatts Sätzen scheint eine wegwerfende Schwermut durch. Das Schlimmste hat ihre Erzählerin hinter sich, da muss ihr Vater bei einer Begegnung in dessen Wohnung gar nicht wissen, wer sie ist.

Die Sätze glimmen

„Die Überflüssigkeit der Dinge" ist ein seltsamer Roman. Ein bisschen Adoleszenz-Roman, ein bisschen Bildungsroman; Steenfatt hat ihn vage im Theatermilieu angesiedelt, und nur schwer lässt sich ihre Erzählerin als Frühdreißigerin einer Generation oder Szene zuordnen. Steenfatts Prosa ist streng und präzise, ihre Sätze leuchten nicht, sondern glimmen, von einer Erziehung der Gefühle kann keine Rede sein. Es liegt ein Grauschleier über diesem Roman, und vielleicht liest man ihn deshalb gebannt bis zum Ende.

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