"Ich war die Frau fürs Ernste"

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Jury-Präsidentin der Berlinale : Meryl Streep, das ewige Glückskind
Meryl Streep, die Jury-Präsidentin des Wettbewerbs der Berlinale.
Meryl Streep, die Jury-Präsidentin des Wettbewerbs der Berlinale.Foto: dpa

Für „Silkwood“ erhielt Meryl Streep eine ihrer 19 Oscar-Nominierungen. Für „Die Eiserne Lady“ hat sie ihren letzten Oscar bekommen, den dritten nach ihren Auftritten im Scheidungskriegsfilm „Kramer gegen Kramer“ und der Holocaust-Tragödie „Sophies Entscheidung“. Sie ist damit die meistnominierte Schauspielerin aller Zeiten, nur Katherine Hepburn hat ihr einen Oscar voraus.

Streep, 1949 in New Jersey geboren, begann ihre Karriere nach einem Schauspielstudium in New York mit zwei aufsehenerregenden Auftritten in der Fernsehserie „Holocaust“ und in Michael Ciminos Vietnamkriegsfilm „Die durch die Hölle gehen“.

Berlinale 2016 - Der Wettbewerb
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02.02.2016 15:1124 WochenDas zweite Kind der Kabarettistin Astrid und ihres Mannes und Managers Markus wird, wie das Paar erfährt, nicht gesund...

Die Schoah, Atomangst, tragische Trennungen und nicht zuletzt der Krieg, der Amerika auf Jahre traumatisierte – mit diesem Themen-Portefeuille stieg Streep zur Königin des Dramas auf. „Ich war die Frau fürs Ernste, so sahen mich die Leute“, beschreibt sie das Dilemma. Arbeit hat sie immer gehabt, seit 1977 drehte sie jedes Jahr mindestens einen Film, manchmal sogar vier. Dass sie neben der Fähigkeit zur Charakterdarstellerin auch noch über andere Talente verfügt, ist lange ignoriert worden.

Als Streep 40 wurde und gegen ihr Image der Tragödin rebellieren wollte, bekam sie gleich drei Angebote für Filmrollen als Hexe. Stattdessen trat sie, einer der ersten Versuche im leichten Fach, in der Himmelskomödie „Rendezvous im Himmel“ und als immer böser lädierte Unsterbliche in „Der Tod steht ihr gut“ auf.

Hits, Hits, Hits

Als Teenagerin ist Meryl Streep oft von ihrer Mutter in Musicals mitgenommen worden, sie absolvierte auch eine klassische Gesangsausbildung. In einer der schönsten Szenen von „Silkwood“ singt sie während einer endlosen Autofahrt das Kirchenlied „Amazing Grace“, und ihre helle Sopranstimme wird zur Hoffnung in der verregneten Nacht. Später hat sie kaum mehr gesungen, die meisten ihrer Filme eigneten sich nicht für Gesangseinlagen. Bis Robert Altman sie 2006 in seinen Film „A Prairie Home Companion“ holte, einen melancholischen Abgesang auf die Country-Radioshows alten Schlages.

Dort verkörpert Meryl Streep eine Nashvillediva mit genregerecht hochtoupierten Haaren, ihre schmachtend intonierte Hymne heißt „My Minnesota Home (Swanee River)“. Bald danach schmetterte Streeps Hits, Hits, Hits, herrlich hemmungslos, von „Money, Money, Money“ bis „Dancing Queen“, in der Verfilmung des Abba-Musicals „Mamma Mia!“ Die Schauspielerin lobte übrigens die musikalische Vielfalt der schwedischen Popband: „Beschwingte Tanzlieder, komische Nummern, sanfte Schlaflieder und Songs über große dramatische Gefühle – das ist eine ganze Landschaft von Gefühlen.“

Man darf sich Meryl Streep als ewiges Glückskind vorstellen. Mit über 60 Jahren bekommt sie, wohl als erste Hollywood-Schauspielerin überhaupt, Hauptrollen in romantischen Komödien. Und die unentwegt Gute darf endlich abgrundtief Böse spielen, das Modepressebiest Miranda Priestly in „Der Teufel trägt Prada“ oder die giftige Patriarchin Violet Weston im Familiendrama „Im August in Osage County“. „Ja, ich habe eine Glasscheibe durchschlagen und es für andere leichter gemacht. Das ist gut“, sagt sie. „Aber ich habe keine Theorie, keine Erklärung für die Tatsache, dass die Leute mich immer noch sehen wollen.“ Vorsichtige Vermutung: Vielleicht, weil sie einfach eine sehr sehr gute Schauspielerin ist.

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