Kammermusik in der Staatsoper : Rokoko so neu

Im restaurierten Apollosaal der Staatsoper erklingt erstmals wieder Kammermusik, mit dem Ensemble "Preußens Hofmusik".

So sah er im fast fertigen Zustand aus: Der Apollo-Saal in der sanierten Staatsoper in Berlin-Mitte.
So sah er im fast fertigen Zustand aus: Der Apollo-Saal in der sanierten Staatsoper in Berlin-Mitte.Foto: Thilo Rückeis

Mit dem scheidenden Nachmittagslicht von draußen, das durch hohe Fenster fällt, konkurriert der Glanz der Kronleuchter und der vergoldeten Stuckelemente der Decke. Der Apollosaal der frisch sanierten Staatsoper, restauratorisch aufgearbeitet, stellt sich ohne das gewohnte Guckkastenpodium dar. Die Spielfläche ist an einer Längsseite des Raumes eingerichtet. Die Akustik trägt den offenen, volltönendenen Streicherklang, während Bläser in diesem Konzert noch ausgespart bleiben.

Preußens Hofmusik nennt sich das Ensemble, das an den Ort zurückkehrt, wo es 2010 zuletzt aufgetreten ist. Angeleitet von dem Geiger Stephan Mai, einem Gründungsmitglied der Akademie für Alte Musik, spielt es an vier Sonntagen im Apollosaal Musik aus Barock bis Frühklassik und nimmt sich für den zweiten Termin nichts Geringeres vor als die „Kunst der Fuge“ (4. Februar).

Dass hier Hans Pischner, der legendäre Intendant der Staatsoper Unter den Linden, am Cembalo musiziert und Otmar Suitner, sein GMD, „Così fan tutte“ dirigiert hat, versinkt in der neueren Geschichte des an Sanssouci orientierten Saales. Dem aufpolierten Bilderbuch-Rokoko Leben einzuhauchen, macht Preußens Hofmusik den Anfang. Beim ersten Konzert ist die Leitung Laura Volkwein überlassen, einer beherzten Violinistin, Mitglied der Staatskapelle wie viele ihrer Kollegen. Auch die Orchesterakademie ist vertreten. Was könnte besser passen für den Auftakt als das Thema „Die Berliner Schule“?

Wie die Giebelinschrift Unter den Linden besagt, widmete König Friedrich II. das Opernhaus Apollo und den Musen. Musik, die an seinem Hof erklang, wird in diesem Programm von Johann Gottlieb Graun repräsentiert, der dem Kronprinzen schon in Rheinsberg diente. Als „Konzertmeister“ blieb er bis zu seinem Tod dem König treu. In einem Violakonzert sowie dem Konzert für Violine und Viola von Graun erweist Solobratscher Volker Sprengler seine Reverenz vor dem empfindsamen Stil. Das Kammerorchester wird vom ersten Geigenpult aus angeführt, und Laura Volkwein tendiert als Solistin zu eigener Expressivität.

Bachs Doppelkonzert d-Moll ist ein beliebtes Stück

Aus der Bach-Familie ist Philipp Emanuel mit einer Sinfonie vertreten und Johann Sebastian mit dem Doppelkonzert für zwei Violinen d-Moll. Das beliebte Stück mit dem pastoralen Largo stammt aus seiner Köthener Zeit. Von dort ist sein Weg noch weit, bis Preußen an die Reihe kommt und Friedrich der Große in Potsdam das berühmte Wort spricht: „Meine Herren, der alte Bach ist gekommen!“

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