Nach 60 Ausstellungen mit bislang 1,8 Millionen Besuchern Schluss für Guggenheim

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Kein neuer Mietvertrag : Guggenheim Berlin schließt zum Jahresende
Die Fassadenansicht Unter den Linden, Ecke Charlottenstraße, mit dem aktuellen Ausstellungsplakat
Die Fassadenansicht Unter den Linden, Ecke Charlottenstraße, mit dem aktuellen AusstellungsplakatFoto: dpa

Im Sommer 2008 realisierte die Künstlerin Collier Schorr mit „Freeway Balconies“ auf Einladung der Guggenheim Foundation eine Gruppenausstellung, die als Selbstporträt wie auch als Bestandsaufnahme der Trends in der amerikanischen Kunst zu lesen war. Drei Jahre zuvor hatte schon Douglas Gordon etwas Ähnliches mit „Vanity of Allegory“ probiert – er verwob dafür Arbeiten von Andy Warhol, Frederico Fellini, Walt Disney und Marcel Duchamp miteinander.

Darüber hinaus fungierte die Deutsche Guggenheim als Schaufenster für die Sammlung der Bank mit über 50.000 Arbeiten. Die Jubiläumsschau zum 25. Geburtstag der Deutsche Bank Collection im Sommer 2005 wurde in der Ausstellungsarchitektur von Zaha Hadid präsentiert. Ein anderes wichtiges Kapitel sind die Auftragsarbeiten, mit eigens für die Sammlung geschaffenen Werken etwa von Anish Kapoor, Gerhard Richter, Jeff Koons oder William Kentridge.

Die Hintergründe für die Verlagerung des Engagements der Deutschen Bank weg von der Kunst hin zur „Wirtschaft und Politik“ sind nicht ganz klar. Die Bank selbst möchte sich nicht dazu äußern. Schon 2011 hatte sich das Geldinstitut als Hauptsponsor des Deutschen Pavillons auf der Biennale Venedig zurückgezogen. Wie andere große Unternehmen, etwa Siemens und Allianz, scheint es sich stärker auf die Bildung zu verlegen. Der Hinweis auf den kontinuierlichen Ausbau des Unternehmens in Berlin – des weltweit fünftgrößten Standorts, was die Mitarbeiterzahl betrifft – lässt dies ebenfalls vermuten. Eine Kunstgalerie umgibt trotz aller Führungen und pädagogischer Angebote stets der Ruch des Elitären. Aber die Konkurrenz für das neue Engagement ist groß: In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es bereits zahlreiche Adressen, die sich dem „Dialog“ verschrieben haben: die Allianz-Versicherung, Bertelsmann, die DG-Bank, die Akademie der Künste. Mit der Schließung der Galerie verliert die Bank ihr Alleinstellungsmerkmal.

Das „Forum Unter den Linden“ wird fortan Angebote aus verschiedenen Bereichen machen, darunter auch der Kunst, wie der Sprecher der Deutschen Bank am Telefon nachträgt. Einen Künstler des Jahres soll es weiterhin geben, dem auch eine Ausstellung gewidmet sein wird. 2012 ist es der Slowene Roman Ondak, der nach der aktuellen Ausstellung „Found in Translation“ (bis 9. April, Tagesspiegel vom 1. 2.) im schlanken Galeriesaal Unter den Linden präsentiert wird. Auch die Auftragsarbeit von Gabriel Orozco wird noch zu sehen sein, ebenso die geplante Ausstellung von Cindy Sherman. Doch dann ist nach 60 Ausstellungen mit bislang 1,8 Millionen Besuchern Schluss für Guggenheim in Berlin.

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