Keine Stände in den Hallen wegen Corona : Frankfurter Buchmesse wird noch kleiner

Ständige Weiterentwicklung mit noch weniger Besuchern: Die Frankfurter Buchmesse muss wegen Corona auf die Stände in ihren Hallen verzichten.

Blick über eine Ausstellungshalle der Frankfurter Buchmesse
Blick über eine Ausstellungshalle der Frankfurter BuchmesseFoto: Jens Kalaene/dpa

Die Frage nach der Frankfurter Buchmesse und ob sie selbst in einem kleinen Format wie geplant in den gewohnten Ausstellungshallen stattfinden kann, stellte sich schon, als Bund und Länder Mitte August beschlossen hatten, Großveranstaltungen bis Ende Oktober zu untersagen, wenn nicht gar bis Ende Dezember, wie es jetzt vorgesehen ist. Denn ein paar tausend Leute wären wohl selbst in der „special edition“ der Frankfurter Buchmesse täglich vom 14. bis zum 18. Oktober unterwegs gewesen.

Nun hat die Frankfurter Buchmesse zusammen mit dem mit ihr verbundenen Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingesehen, dass eine Hallenausstellung noch aus anderen Gründen kaum umsetzbar ist: Zum einen kann wegen der aktuell geltenden Reisebestimmungen aus dem außereuropäischen Ausland kaum jemand kommen und mit einem Stand vertreten sein (und selbst mit Literaturvertretern aus Lateinamerika hatte man ja in den letzten Monaten noch gerechnet, warum auch immer); zum anderen, so die Messe in einer Mitteilung, würde die „ab 1. Oktober 2020 in Kraft tretende Quarantäneverordnung die Teilnahme von europäischen Aussteller*innen und Fachbesucher*innen nahezu unmöglich“ machen. Will heißen: Wer aus Risikogebieten kommt, aus Spanien, Frankreich oder Kroatien zum Beispiel, muss nach der Einreise zwei Wochen in Quarantäne.

Die Frankfurter Buchmesse wird trotzdem irgendwie stattfinden. Man könnte sagen als Buchmesse ohne Buchmesse, eben „im Netz und in der Stadt“, wie es in der Mitteilung heißt. Der Fokus liege nun, so Messedirektor Jürgen Boos, „auf unserem virtuellen Angebot und den Veranstaltungen in der Stadt.“

Man muss die Verantwortlichen ja bewundern dafür, wie tapfer sie das, was von ihrem Großevent übrig geblieben ist, noch als Erfolg verkaufen. Wie sie, wie Börsenvereinsvorsteherin Karin Schmidt-Friderichs, die Frankfurter Buchmesse als „ein sich ständig weiterentwickelndes Unternehmen“ bezeichnet: „Lebendig, agil und anpassungsfähig“. Ist das jetzt unfreiwillig komisch? Galgenhumor? Oder gar Ironie?

Die Frankfurter Buchmesse ist jetzt mehr ein Literaturfestival mit der Festhalle auf dem Messegelände als zentralem Veranstaltungsort. Hier baut die ARD eine Bühne auf und macht von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr Programm mit halb- bis einstündigen Lesungen. Dazu gibt es in der Stadt das sogenannte Bookfest, digital sowieso, aber auch live und analog mit immerhin rund achtzig Lesungen, die sich auf die fünf Messetage verteilen. Auch das jedes Jahr parallel zur Buchmesse stattfindende Event „Open Books“ wird es wie gehabt geben, mit nahezu hundert Veranstaltungen vor allem im Römer und anderswo in Frankfurt, unter anderem „Literatur im Römer“.

Obwohl sie mit vier Millionen Euro aus dem „Neustart Kultur“-Programm von Monika Grütters’ Ministerium bedacht wurde, dürfte der Verzicht auf die Hallenausstellung ein weiterer herber Schlag für die Frankfurter Buchmesse sein, gerade für sie als Unternehmen, das sie nun einmal auch ist. Ein Besuch der Restmesse dürfte da inzwischen ein solidarischer Akt sein. gbar

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