Kelley Walker in der Galerie Petzel : Scannen, kopieren, Photoshop

Einblick in die Werbung der siebziger und achtziger Jahre: Der New Yorker Künstler Kelley Walker in der Galerie Capitain Petzel.

Lorina Speder
Kelley Walker mischt seine Arbeiten wie ein DJ. "Stacked Pioneer PL-518_2", 2018,
Kelley Walker mischt seine Arbeiten wie ein DJ. "Stacked Pioneer PL-518_2", 2018,Foto: Galerie Capitain Petzel / Courtesy Paula Cooper Gallery / Steven Probert

Kelley Walkers wohl wichtigstes Arbeitsmittel im Atelier ist der Scanner. In seinen Pop-Art-Collagen kopiert der New Yorker Künstler damit bekannte Motive oder dreidimensionale Gegenstände und vereinheitlicht die Oberfläche in seiner Kunst. Die dritte Einzelausstellung des 1969 geborenen Künstlers in der Galerie Capitain Petzel erlaubt einen Einblick in die Werbung der siebziger und achtziger Jahre. Immer wieder entdeckt man in Walkers Collagen ausgeschnittene Kreise, die an die Disko- und Partyszene erinnern.

Die Calvin-Klein-Werbung mit Brooke Shields von 1980 veränderte Walker nach dem Scannen per Photoshop. Die Bearbeitung macht das Werk zur raffinierten Attrappe, die gleichzeitig die Essenz der Werbung entlarvt – denn auch sie ist ein Konstrukt, nachgebildet aus Wünschen und Sehnsüchten. Neben den kreisrunden Ausschnitten entdeckt man optische Verzerrungen. Manchmal meint man, durch ein gekrümmtes Glas zu schauen. Mit einem 3-D-Effekt lässt Walker es zusätzlich so aussehen, als würde man das Blatt gerade umblättern.

Dialog über Pop-Kultur

Dieser Effekt findet sich auch in „Stacked Pioneer PL-518_1“ wieder. Die Werbung für den berühmten Plattenspieler von 1973 wäre heute mit dem simplen Turntable und einer Headline darunter wenig ansprechend. Walker wird hier wie ein DJ selbst zum Sampler, der das gescannte Motiv des Plattenspielers immer weiter benutzt und verändert. Das Gerät, das auch heute noch ein Klassiker für DJs ist, wird von weiteren Kugelmotiven überlagert, die mit einer Diskokugel aus Schokolade und Kunstharz im Raum den Dialog über die Pop-Kultur führen. Am weitesten treibt der Künstler sein optisches Spiel in den Ziegelstein-Arbeiten. Auf sieben Leinwänden bildet er das Motiv einer Mauer ab, die nahezu echt aussieht. Was kein Wunder ist, denn auch hier kam Walkers Lieblingswerkzeug zum Einsatz: Das Bild der Ziegelsteine stammt von echten Steinen, die er durch den Scanner jagte.

Galerie Capitain Petzel, Karl-Marx-Allee 45, Sa/So 11–19 Uhr, danach bis 9.6., Di–Sa 11–18 Uhr

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