Keramik von Martin Möhwald : Die Sache mit den Punkten

Die Studio Galerie Berlin zeigt Gefäße des Bollhagen-Schülers Martin Möhwald

Keramischer Teller mit Kannenmotiv
Keramischer Teller mit KannenmotivFoto: Studio Galerie

Da setzt ein Schüler seiner legendären Lehrerin ein Denkmal. Der Hallenser Keramiker Martin Möhwald hat einst bei Hedwig Bollhagen eine Töpferlehre absolviert. Zu Möhwalds 65. Geburtstag sind seine Kannen, Schalen, Vasen und Teller in der Studio Galerie ausgestellt. Das wiederkehrende Motiv ist eine schwarze Kanne mit gepunktetem Muster, Möhwald hat einige seiner bauchigen Kannen damit dekoriert. Kanne auf Kanne sozusagen. Das gepunktete Original stammt von Bollhagen.

Als Grundlage für die Oberflächengestaltung diente Möhwald das alte Plakat einer Ausstellung. Er hat es intuitiv ausgewählt, wie er immer aus einem Fundus an Bildern und Schriften schöpft. Auf der bedruckten Keramikoberfläche sind oberhalb der Bollhagen-Kanne noch einige Wörter lesbar – auch der Name der Friedrichshainer Studio Galerie, wo die Bollhagen-Ausstellung vor Jahrzehnten stattfand. So schließt sich der Kreis. Dabei macht Möhwald hier nur, was er immer tut. Er sampelt altes Bildmaterial.

Möhwald hat die Umdrucktechnik perfektioniert

Schrift, Zeitungstexte, Plakate und Muster spielen eine wichtige Rolle. Die mit Fundmaterial bedruckten Vasen, Kannen, Schalen und Teller sind Möhwalds Markenzeichen. Genauso wie die maßvolle Farbigkeit in seinen Objekten. Mal zieren Körper von antiken Göttern eine hohe Vase. Ein anderes Mal sind es geometrische Rapporte, die sich uneben, wie in Falten gelegt, auf der Oberfläche einer Schale oder einer Kanne befinden.

Die Zeichen gelangen stets auf dieselbe aufwendige Art auf die Gefäße. Möhwald schmilzt Druckerschwärze von Zeitungspapieren auf seine halbgetrockneten, handgedrehten Tonformen. Diese Umdrucktechnik hat er im Laufe der Jahre perfektioniert. Meist brennt er seine Stücke zweimal, dadurch entsteht eine matte Optik, die die Objekte wie antike Funde aussehen lässt. Im Grunde gibt es kaum jemanden, der diese Technik so beherrscht wie er. Zwar hat Möhwald auch Kurse an der Hochschule Burg Giebichenstein gegeben, Schüler kommen zu ihm in die Werkstatt am Fuße des Burgbergs, aber Möhwald lehrte nie so intensiv wie etwa seine Mutter Gertraud. Eher ist er gereist, besonders oft nach Amerika, wo seine Arbeit sehr geschätzt wird.

Kein Stück ist wie das andere

Martin Möhwald wuchs in einer Künstlerfamilie auf, Mutter Gertraud war eine berühmte Keramikerin, Vater Otto Möhwald bildender Künstler. Sie stellten auch zu dritt aus. Während Gertraud Möhwald sich im Laufe ihrer Karriere figurativen Plastiken zuwandte, blieb der Sohn immer bei der Gefäßkeramik. Seine Objekte sind für den Gebrauch bestimmt. Man kann kaum wiederstehen, sie anzufassen, möchte sich die etwas unebenen Schalen in die Hände legen, die bauchigen Kannen befühlen, die kleinen Deckel anheben. Eine Kanne mit zwei Schalen kostet ab 240 Euro. Möhwald-Kannen sind sehr wiedererkennbar, dennoch ist kein Stück wie das andere. Das zeigt auch die aktuelle Produktion. Martin Möhwald konzentriert sich auf wenige Motive und ihre Variation. Ein Künstler, der sich gefunden hat.
Studio Galerie Berlin, Frankfurter Allee 36 a; bis 8. 12., Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 10–16 Uhr

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