Khruangbin live in Berlin : Sonnenbad an Halloween

Das texanische Surf-Funk-Psychedelic-Trio Khruangbin gab im Berliner Astra Kulturhaus ein beglückendes Konzert.

Mark Speer, Laura Lee und Donald Johnson sind Khruangbin.
Mark Speer, Laura Lee und Donald Johnson sind Khruangbin.Foto: Mary Kang

Anwältin oder Doktor – das wären Jobalternativen für Laura Lee und Mark Speer gewesen. Zumindest wollen sie und das in ihrem Song „Lady And Man“ glauben machen, in dem sie gegen Ende davon singen. Zum Glück haben sich die Bassistin und der Gitarrist von Khruangbin anders entschieden. Denn sonst ständen sie an diesem Halloween-Abend nicht zusammen mit dem stoisch-minimalistisch aufspielenden Drummer Donald Johnson auf der Bühne des ausverkauften Astra Kulturhauses, und es gäbe auch ihre beiden schönen, größtenteils instrumentalen Alben nicht.

Auf dem Anfang des Jahres erschienenen „Con Todo El Mundo“ hat das Trio aus dem texanischen Houston seinen leicht psychedelischen Surfrock-Funk-Mix zu einem rundum beglückenden Sonnen-Sound verdichtet, der im Berliner Publikum sofort zu lächelnden Gesichtern führt.

Die Hauptattraktion von Khruangbin, die sich wegen ihrer Faszination für den Thai-Funk der Sechziger und Siebziger nach dem Thai-Wort für Flugzeug benannt haben, ist das warme, variantenreiche Gitarrenspiel von Mark Speer. Trotz seines anthrazitfarbenen Maßanzuges wirkt der Mann mit der braunen Matte, als sei er einer Metal-Band entlaufen. Mit kurzen, verzerrten Eskapaden deutet er an, dass er auch problemlos in jeder Rockgruppe mithalten könnte. Allerdings wäre ihm das sicher zu langweilig, denn er spielt viel zu gerne liebliche Sehnsuchtsmelodien wie in „Cómo Me Quieres“ oder tänzelt begleitet von Laura Lees tollem Groove-Bass in Chic-Gefilde wie bei „Evan Finds The Third Room“. Ein Höhepunkt ist nach einer halben Stunde „August 10“, dessen lässigen Flausch-Flow die drei in eine dubbige Exkursion überführen, bei der Speers Wah-Wah-Gitarre klingt als sende sie Morsezeichen vom Meeresgrund.

Gesungen wird nur selten mal „Uhhu“, „La-la“ oder so stark verhallt, dass man wenig versteht. Was nichts macht, denn dadurch gilt die gesamte Aufmerksamkeit Speer. Wie er etwa in einem Medley ein knappes Dutzend Hits von Ice Cube über Sade bis hin zu Kool & The Gang zu einer Funk-Soul-Hip-Hop-Hommage verbindet, ist atemberaubend. Und wenn er das legendäre „Apache“-Lick von den Shadows in „Maria También“ einbaut, kommt das keineswegs anmaßend rüber, denn das parallel von Bass und Gitarre gespielte Khruangbin-Motiv ist mindestens ebenso eingängig und steckt noch am nächsten Morgen im Kopf.

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