Kinderbuch : Die Angst vor dem schwarzen Gras

Kenneth Oppels Gruselroman "Bloom. Die Apokalypse beginnt in deinem Garten" passt in die Corona-Zeit.

Ulrich Karger
Kenneth Oppel startet mit "Bloom" eine neue Romanserie.
Kenneth Oppel startet mit "Bloom" eine neue Romanserie.Foto: Beltz & Gelberg

Im Garten der Familie des Mädchens Anaya gibt es eine Stelle, auf der noch nie etwas gewachsen ist. Doch nun, nach dem letzten kräftigen Regenfall, ragt ein dreißig Zentimeter hoher Schössling auf. Durchgehend schwarz, sind an seinem kräftigen Schaft feine Härchen, sein Ende verjüngt sich wie ein Grashalm zu einer Spitze. Schon bald werden nicht nur Anaya und ihre Familie, sondern die ganze Welt dieses „schwarze Gras“ fürchten lernen. Es überwuchert Grünflächen und Felder und durchdringt fatalerweise mit seinen Spitzen auch Hausmauern und Dächer.

Die Frage nach der Herkunft des Grases gerät bald in den Hintergrund. Denn es ist eine Pflanze des Todes, die bei vielen Menschen Allergien und Atemnot auslöst. Alles, was erntereif war, ist nun nicht mehr zugänglich, Lieferketten zerbrechen, weltweit drohen Engpässe in der Nahrungsmittelversorgung.

Einzig Anaya und zwei ihrer Mitschüler aus der Highschool können diesem Gras auch Positives abgewinnen. Alles, was sie bedrückte und ihnen wegen ihrer körperlichen Einschränkungen bis dahin das Leben schwer gemacht hat, scheint mit dem letzten Regen von ihnen gewaschen worden zu sein. Die Kinder entwickeln sogar neue Kräfte, mit denen sie gemeinsam, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise den Kampf aufnehmen.

Band eins einer neuen Serie

Kenneth Oppel veröffentlicht mit „Bloom – Die Apokalypse beginnt in deinem Garten“ den ersten Band einer neuen Serie [Beltz & Gelberg, Weinheim 2020. 346 Seiten. 16,95 €. Ab zwölf Jahren]. Der international erfolgreiche, mehrfach ausgezeichnete Fantasy-Autor wendet sich mit seinen Büchern zumeist an Kinder und Jugendliche. Ob die Zielgruppe aber, angesichts der weltweit erlebten Einschränkungen durch das Coronavirus, einen auf den Horror einer apokalyptischen Bedrohung setzenden Titel noch unterhaltsam finden wird? Spannend genug ist das Buch in jedem Fall.

Im ersten Band wird so anschaulich wie ausführlich beschrieben, welche drastischen Folgen die explosionsartige Vermehrung des so genannten schwarzen Grases hat. Kinder werden krank, einige von ihnen fallen ins Koma, ältere Menschen sterben vor der Zeit. Die überaus plastischen Beschreibungen ihres Leids, die Oppel geschickt variiert, lassen gruseln. Anaya, Petra und Seth steigen von Außenseitern zu Helden auf. Eben noch eingeschränkt, erweisen sie sich nun als resistent. Das Gras kann ihnen nichts anhaben. Die Kinder wachsen buchstäblich über sich hinaus. Dabei müssen sie lernen, für ihre Familie, ihre Freunde, ja für die ganze Welt neue Rollen auszufüllen. Entwarnung kann nicht gegeben werden, die glückliche Fügung im Finale wird durch ein weiteres Ereignis schnell wieder in Frage gestellt. Perfekter Cliffhanger fürs nächste Buch.

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