Kinderbuch : Schwimmen macht stark

Mut fassen: Wie man es schafft, sich von niemandem unterkriegen zu lassen, erzählt Anne Becker in "Die beste Bahn meines Lebens!"

Beate Offrich
Jeder hat so seine Stärken...
Jeder hat so seine Stärken...Illustration: Beltz & Gelberg

Jan liegt in seinem Bett und versucht tapfer zu bleiben. Erst als seine Mutter das heißgeliebte Poster seines Schwimmervorbildes von der Wand abnimmt, gibt es keine Zweifel: Die Familie zieht um. Das neue Zimmer ist kahl und die Gegend fremd. Flo, das Nachbarmädchen, findet Jan merkwürdig, denn es sieht aus wie Pumuckl und hält Hühner. Gottlob ist Jan ein guter Schwimmer. Mit dem Sport vertreibt er trübe Gedanken und findet schnell Anschluss im neuen Verein. Wäre da nicht Linus. Der Junge ist neidisch auf das neue Schwimmtalent. Ständig stichelt er gegen Jan und versucht ihn unter Druck zu setzen. Zu allem Überfluss gehen beide auch noch, genau wie die wunderliche Flo, in die gleiche Klasse.

Was für Jan das Schwimmen ist, ist für Flo die Mathematik. Sie rechnet allen Kummer weg, ist ein wahres Mathe-Genie und versucht ihr Leben mit Infografiken in den Griff zu bekommen, in denen sie alles, was sie bewegt, dokumentiert. Dazu gehört etwa die Langeweile schulischer Mathematikstunden, misslungene Orchesterproben, die Traurigkeit, dass ihre Mutter weit weg in London arbeitet und sie allein mit ihrem Vater lebt und zunehmend Jan, den „Neuen“ in der Nachbarschaft. Auch wenn sie ihm zuerst völlig cool und desinteressiert begegnet, wächst doch das Säulendiagramm „Jan“ zusehends auf der positiven Seite, vor allem, nachdem sich Jan den ständigen Sticheleien Linus' zur Wehr setzt, um dem Gemobbtwerden ein Ende zu setzen.

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Anne Becker hat mit „Die beste Bahn meines Lebens“ ein unaufgeregtes Buch über kleine Schwächen und große Stärken geschrieben, das einen durch den eingängigen Schreibstil schnell ins Geschehen eintauchen und auf Augenhöhe mal mit dem Schwimmtalent, mal mit dem Mathe-Genie identifizieren lässt. Es macht auch Mut, eigene Unzulänglichkeiten in den Griff zu bekommen. Jan etwa traut sich keine Zeile vor der Klasse vorzulesen, da er eine schwere Lese-Rechtschreib-Schwäche hat, die aber hier nur ganz nebenbei thematisiert wird. Im Vordergrund steht Jans Willensstärke, sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen.

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