DVD-Rezension : "Pimp-a-licious!"

Dave Chappelle rief, und alle kamen: 2004 versammelte der US-Komiker für seine "Block Party" die Größen des Alternative Hip Hop. Michel Gondrys Film dokumentiert dieses legendäre Konzert - und ist jetzt auf DVD erschienen.

Achim Fehrenbach

Dave Chappelle zieht durch die Straßen seiner Wahlheimat Yellow Springs, Ohio, und verteilt "goldene Eintrittskarten": beim Friseur, bei einem Ordnungshüter, vor einer Pizzeria und in einem Tante-Emma-Laden. In drei Tagen soll in Brooklyn eine "Block Party" steigen, und Dave möchte, dass auch die ganz normalen Leute aus dem 4.000-Einwohner-Städtchen nach New York kommen und sich das Rap-Konzert anhören, das er organisiert hat. Obwohl die Verkäuferin aus dem Tante-Emma-Laden, das muss er zugeben, "nicht wirklich der typischen Rap-Zielgruppe entspricht". Aber auch sie wird am 18. September 2004 in Brooklyn sein.

Chappelle, bekannt geworden mit seiner gleichnamigen Show auf dem Sender "Comedy Central", hat sich mit der block party einen Traum erfüllt: ein Konzert im Viertel Bedford-Stuyvesant, das amerikanische Geschichte ist, wenn auch nicht der amerikanische Traum: In den Sechzigern kam es hier zu Rassenunruhen, in den Siebzigern und Achtzigern war "Bed-Stuy" ein Synonym für Drogen und Kriminalität. Zahlreiche Superstars des Hip Hop kommen von hier, ob sie nun Jay-Z, Lil Kim oder Mos Def heißen.

Vertrackte Filme

Chappelle hat sich für das Gratis-Konzert die Ecke Quincy Street und Downing Street ausgesucht, eine reichlich trostlose Gegend. Dort steht das "Broken Angel House", ein riesiger baufälliger Kasten, der von einem alten Hippie-Pärchen bewohnt und mit allerlei Türmchen und Spiegeln erweitert wird. Regisseur Michel Gondry, der den Dokumentarfilm zur block party gedreht hat, muss dieses Gebäude besonders gefallen haben, ist es doch wie die meisten seiner Filme: vertrackt, mit Hintertüren, Geheimgängen und immer neuen Überraschungen. Gondry, der mit "Vergiss mein nicht" und "The Science of Sleep" zwei der interessantesten Filme der letzten Jahre gedreht hat, gelingt mit "Block Party" die perfekte Mischung aus Dokumentarfilm und Musikvideo.

Dass der Film auch noch richtig witzig ist, ist Dave Chappelle zu verdanken. In seiner TV-Show nahm er regelmäßig Rassen-Klischees aufs Korn, indem er als "Black Bush" oder "Black White Supremacist" auftritt. Auch die Hiphop-Stereotypen ("schwarz, gefährlich, musikalisch") sind eine Spielwiese für Chappelle. Im Second-Hand-Laden von Yellow Springs sucht er nach einem "bad coat" fürs Konzert ("pimp-a-licious!"). Und wundert sich über ein "Free Tibet"-Shirt im Publikum: "There are no niggers in Tibet". Mit dem Megafon bewaffnet zieht Chappelle durch die Straßen Brooklyns und macht Werbung für die block party. Oder er sitzt am Second-Hand-Klavier und spielt "Round Midnight" von Thelonious Monk. Der hatte das perfekte Timing, sagt Chappelle, gerade weil er immer ein bisschen "off time" war. Und das macht für ihn auch einen guten Komiker aus.

Konzert-Häppchen

Dass "Block Party" nie langweilig wird, liegt auch an den Konzert-Häppchen, die Gondry in die Party-Vorbereitungen einstreut. Der Film als "Making of" seiner selbst: Chappelle lädt Leute ein, sucht die Location aus, holt sich die Unterstützung der Anwohner und probt mit den Musikern. Er überredet die gesamte "Central State University Marching Band", sich in den Bus zu setzen und nach New York zu kommen. Und obwohl am Konzert-Tag eine Schlechtwetterfront über New York hinwegzieht, lassen sich die Organisatoren nicht entmutigen.

Die block party bietet dann ein einzigartiges Line-Up. Superstars des Alternative Hip Hop wie Kanye West, Mos Def, Talib Kweli, The Roots und die Dead Prez stehen gemeinsam mit den Neo-Soul-Diven Erykah Baduh und Jill Scott auf der Bühne. Als Gegenentwurf zum durchkommerzialisierten Pop-Business zeigt Gondrys Film die block party als verschworene Gemeinschaft, die von der Liebe zur Musik zusammengehalten wird. Wenn man sich die Alben-Verkaufszahlen der genannten Künstler ansieht, mögen da Zweifel aufkommen. Die werden von den begeisternden Auftritten der Musiker aber schnell zerstreut. Höhepunkt des Konzerts ist der Auftritt der "Fugees", die nach ihrer Trennung von 1997 erstmals wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.

Wer Hip Hop mag und den Film im Kino verpasst hat, für den ist der Kauf der DVD fast schon ein Muss. Doch auch wer "Block Party" schon kennt, findet auf der Scheibe interessantes Bonus-Material. Im "Making of" und in einem Interview mit Michel Gondry erfährt man einiges über die Arbeitsweise des Regisseurs, die er "das Chaos organisieren" nennt. So wählte Gondry für das Konzert eine möglichst kleine Bühne – der Platzmangel spornte die Musiker an. Ebenfalls auf der DVD zu finden ist eine längere Episode über das geheimnisvolle "Broken Angel"-Haus und seine Bewohner. Einziges Manko ist die nicht gerade üppige Ausstattung mit Bonus-Musikmaterial. Die vier langen Konzert-Ausschnitte sind allesamt längere Versionen von Songs, die bereits im Film enthalten sind.