Klaas Ruitenbeek : Direktor von Berlins Museum für Asiatische Kunst geht in Ruhestand

Eine seiner Hauptaufgaben war die Umzugsvorbereitung ins Humboldt Forum. Klaas Ruitenbeek, Direktor des Museums für Asiatische Kunst, verabschiedet sich in den Ruhestand.

Dialog der Kulturen. Klaas Ruitenbeek.
Dialog der Kulturen. Klaas Ruitenbeek.Foto: David von Becker

Als Klaas Ruitenbeek 2010 sein Amt als neuer Direktor des Berliner Museums für Asiatische Kunst antrat, gehörte zu den Hauptaufgaben des China-Spezialisten die Umzugsvorbereitung ins Humboldt Forum. „Meine Kollegen hatten schon lange im Kopf daran gearbeitet. Als ich kam, wurde es konkret“, sagt der Niederländer. Mit gewissem Stolz erzählt er, dass Gründungsintendant Neil McGregor an der Planung seines Museums kaum etwas verändert habe. Für ihn ist es nun ein guter Zeitpunkt, dass er am 1. Oktober in den Ruhestand geht.

„Das Humboldt Forum ist hochpolitisch. Das war genau so gewünscht“, so Ruitenbeek. Von seinen bisherigen Stationen am Rijksmuseum Amsterdam und dem Royal Ontario Museum in Toronto war der Sinologe eine solche Haltung nicht gewohnt. Deshalb hat er sich auch noch einmal den entscheidenden Satz aus dem Koalitionsvertrag herausgeschrieben: „Wir streben an, dass sich das Humboldt Forum weit über seine Museums- und Ausstellungsarbeit hinaus zu einer internationalen Dialogplattform für globale kulturelle Ideen entwickelt.“ Das sei in Ordnung, meint Ruitenbeek, aber auch ein sehr fordernder Auftrag. „Manchmal beneidete ich andere große Museen in Deutschland, die einfach ihre Arbeit machen konnten. Je länger ich hier war, desto mehr empfand ich diesen Auftrag als Einschränkung.“

Klaas Ruitenbeek glaubt ans Humboldt Forum

Das Herz des scheidenden Museumsdirektors schlägt zwar für das Humboldt Forum. „Aber die Kunst aus Indonesien, Japan und China wurde damals auch gemacht, um einfach schön zu sein. Die Kunst ist ein zartes Pflänzchen, sie muss verteidigt werden“, gibt er zu bedenken. Seit der Pensionierung von Viola König als Direktorin des Ethnologischen Museums bilden sowohl ihre einstige Sammlung als auch die vom Museum für Asiatische Kunst eine Einheit. Trotzdem bleiben beide Häuser selbstständig. Ruitenbeek freut sich umso mehr, dass mit Lars-Christian Koch ein Asienspezialist als Sammlungsleiter bestellt wurde. Der Niederländer setzt auf die Synergien der Fachkuratoren am Forum, insbesondere die „internationale Dialogplattform für globale kulturelle Ideen“. Beispielhaft dafür gilt ihm das Stummfilmkonzert „Setan Jawa“ kürzlich im Haus des Rundfunks, bei dem ein Gamelan- und ein Sinfonieorchester einen modernen Stummfilm aus Indonesien begleiteten.

Für Leihgaben des Malers Gao Qipei reiste er um die Welt

Ruitenbeek hat schon immer quergedacht. Obwohl er in Leiden Sinologie und nicht Kunstgeschichte studiert hatte, holte ihn 1985 das Amsterdamer Rijksmuseum, das eine exzellente asiatische Sammlung besitzt. „Das wurde mein Maßstab für Qualität“, sagt er heute. Sein Meisterstück war eine Ausstellung zum Maler Gao Qipei (1660–1734), der mit den Fingern malte. Ruitenbeek reiste für Leihgaben um die halbe Welt.

Auf Amsterdam folgte die Chinasammlung des Royal Ontario Museums in Toronto. „Dort misstraute man der Schönheit, ich wurde deswegen ausgelacht“, erinnert sich Ruitenbeek. Der Sinologe lernte schnell, das „Heilige der Kunst“ zu relativieren und auf Vermittlung zu setzen.

Dann kam Berlin. Hier konnte er auf seinen kanadischen Erfahrungen aufbauen. „Mich hat beeindruckt, wie wichtig Kultur in Deutschland ist, wie ernsthaft die Debatte um das Humboldt Forum geführt wird. Dass mich das Auswärtige Amt einlädt, um über chinesische Kultur zu sprechen, unterstreicht diese Ernsthaftigkeit.“ Das kannte Ruitenbeek weder aus Amsterdam noch aus Toronto.

Als Ruheständler wird er erst einmal wieder die „Dreihundert berühmten Gedichte der Tang-Dynastie“ lesen und sich an der Schönheit der klassischen chinesischen Literatur erfreuen. Dafür fehlte in den vergangenen Jahren die Zeit. Außerdem seine Reise nach Schanghai planen, wo der Sinologe im Januar einen Vortrag hält.

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